Psychoanalyse, Psychotherapie, Coaching, Supervision, Bern, Depression, Burnout, Phobien, Angst, Probleme, Sexualtherapie, Sexualberatung, Aggression, Verhalten, ErlebenMarkus Frauchiger, lic.phil.
Eidg. anerkannter Fachpsychologe
für Psychotherapie FSP

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3012 Bern
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Das doppelte Selbst und die Agonie des Realen im visuellen Narzissmus

Vom digitalen Narzissmus zum analogen Selbst - eine Synthese aus Narzissmus-, Resonanz- und Bezogenheitskonzepten

Materialien und Zitatesammlung zur Entstehung, Diagnostik und Behandlung von narzisstischen Spektrum-Störungen - zusammengestellt und kommentiert von Fachpsychotherapeut FSP Markus Frauchiger in CH-3012 Bern

Markus Frauchiger: CV, Lebenslauf und Vernetzung des Autors

Veröffentlichung und Reproduktion nur auf Anfrage beim Autor möglich - dies ist ein vorläufiges Arbeitspapier, welches kontinuierlich erweitert wird.

Selfie, Narzissmus, Smartphone, Fake, Real, Lacan, Blick, visuell, digital, Psychoanalyse, Psychotherapie, Coaching, Supervision, Bern, Depression, Burnout, Phobien, Angst, Sexualtherapie, Sexualberatung, Aggression, Verhalten, Erleben

- EINLEITUNG: Dialektische Einführung in die beiden Koordinaten
- NARZISSMUS: Regulation und Kompensation des Selbstwertes
- MARKETING: "Haben-wollen" und das Ich-Ideal im "Zeitalter des Narzissmus"
- ENTWICKLUNG: Identität, Gegenwartsmomente und die "Fesseln der Liebe"
- ESOTERIK: Populismus, "das falsche Selbst" und der manipulierbare Mensch
- RELATION: Empathie und Bezogenheit - Würdigung, Kongruenz und Echtheit
- KONSUM: Wachstumskritik des "Immer mehr" im real existierenden Kapitalismus
- RESONANZ: Emotion, Intuition und "Embodiment, Enactment, Empowerment"
- DEMOKRATIE: Von der Aufmerksamkeit zur Anerkennung der "Andersheit des Anderen"
- PSYCHOTHERAPIE: Wirkfaktoren anerkennender, relationaler Psychotherapie
- LITERATUR: Quellenangaben und Bücher


Zusammenfassung - Summary:

Dies ist der Versuch, eine postmoderne Narzissmustheorie aus psychotherapeutischer Sicht zu entwickeln, einen tertiären Narzissmus zu postulieren, der nur in einer medial überspannten und neoliberal bewirtschafteten und somit entfremdeten Gesellschaft ("Menschen-Darsteller im Fake-Modus") entstehen kann.
Als dialektisches Gegenstück dazu entwickle ich ein 'resonantes Selbst', welches echt und real nach innen und nach aussen wirkt und überzeugt ohne manipulativ und überangepasst ein selbstbewusstes 'Sein statt Schein' lebt und in Bezogenheit auf seine Umwelt ein 'Gleichgewicht des Selbstwertes' immer wieder neu und dynamisch sucht und so in Anerkennung des und der Anderen 'relational und regulierend' eine Philosophie von 'Mass und Mitte' lebt und vorlebt.

Nebst Konzepten aus der psychoanalytischen, systemischen, kognitiv-behavioralen und humanistischen Psychotherapie beziehe ich auch und v.a. Erkenntnisse aus Nachbarwissenschaften wie u.a. der Soziologie, der Pädagogik und der (Sozial-)Philosophie mit ein, aber auch Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften werden punktuell herangezogen um dieses Konzept des 'Visuellen Narzissmus' in der nötigen Tiefe zu begründen und darzustellen.
Ich werde das Rad nicht neu erfinden, sondern die zahlreichen Befunde und Kopnzepte zusammentragen, mit eigenen Hypothesen ergänzen, wo nötig ins 21. Jahrhundert übertragen und um neuere Phänomene wie z.B. Big Data und den Selfie-Kult ergänzen und so für ein breiteres (Fach-)Publikum aufbereiten.
Somit sollten zahlreiche (Buch-)Perlen aus verschiedenen Disziplinen bekannter und für einen breiteren Diskurs in Form dieser Online-Veröffentlichung kostenlos und niederschwellig besser zugänglich werden; dies durchaus auch für PolitikerInnen und Entscheidungsträger aus z.B. der Wirtschaft und der Verwaltung im Blick auf einen verbesserten Zugang zur Psychotherapie für alle Bevölkerungsschichten.

Die Konzeption eines 'tertiären Narzissmus der Postmoderne' erachte ich für notwendig aufgrund meiner jahrelangen Beobachtung als seit 1997 in Institionen und seit 2008 in eigener Praxis tätiger Psychotherapeut in Bern, weil m.E. Aspekte des Sozialen, des Kontextes, der oft fehlenden Anerkennung und der zahlreichen Entfremdungsdynamiken in und mit der Um- und Lebenswelt sowie der 'Weltbeziehungen' (Rosa 2012) in der real-existierenden und praktizierten Mainstream-Psychotherapie zuwenig berücksichtigt werden.
Als grosse Klammer um all diese heterogenen Themen wie Anerkennung, Triangulierung, Resonanz, Entfremdung, Anomie, Sozialcharakter einerseits aber auch Esoterik, Antisemitismus, Religions-, Kapitalismus- und Wachstumskritik u.v.a.m. andererseits zusammenzuhalten, soll diese von mir neu gewichtete und situerte Narzissmus-Konzeption der 'Regulation in Relation' dienen, welche sich einerseits nahe an Ovids Metamorphosen ("Narcissus und Echo") orientiert (v.a. um das Visuelle am Mythos neu zu bewerten), andererseits zahlreiche Erkenntnisse anderer sozialpsychologisch und -philosophisch argumentierender AutorInnen miteinbezieht, sodass das Verbindende und Aehnliche zwischen den genannten Disziplinen betont wird und so eine Erweiterung und Fruchtbarmachung für die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie erreicht werden kann.


Vorwort

"Richtig vs. falsch" oder "Innen vs. Aussen" oder "Analog vs. Digital"?

„Gibt es ein richtiges Leben im falschen?“ fragte bereits Theodor W. Adorno von der 'Frankfurter Schule' (Kritische Theorie, s.u.).
Aus der in diesem Buch vorgestellten Konzeption abgeleitet, könnte eine Antwort lauten: "Es gibt beides - auf das richtige Verhältnis kommt es an...". Oder: "Es gibt auch das Gegenteil: ein falsches Leben im richtigen"... oder "Richtig und Falsch scheinen mir auf das Leben bezogen zu stark wertende Kategorien - ich würde stattdessen von "Innen und Aussen" sprechen oder von "Struktur und Dynamik" oder von "Analog und Digital".
Wenn Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, sich "innen und aussen" als "links und rechts" auf der x-Achse eines Koordinatensystems vorstellen und "analog und digital" als "oben und unten" (y-Achse), haben Sie eine Kürzestform dieses Buches grafisch vor Augen.
Falls Ihnen dieses solcherart entstandene "Fadenkreuz" (Grafiken dazu im 1. Kapitel) noch wenig sagt, was ich gut verstünde, werden Sie in diesem Buch Kapitel für Kapitel immer näher an diesen im Kern simplen Grundgedanken einer Narzissmus- und Selbstkonzeption herangeführt.
Die Konzepte und Methoden welche ich Ihnen vorstellen und nahelegen möchte, sollen einfach zu handhabende Werkzeuge sein, sowohl für PraktikerInnen wie auch für wissenschaftlich tätige KollegInnen. Falls jemand empirische Untersuchungen dazu vornehmen möchte, würde mich das sehr freuen. Ich selber habe leider die Zeit (übervolle Praxis plus Familie) und das Geld (bin leider kein Königssohn) dazu nicht, hätte aber Ideen zu Methodik und Durchführung solcher Studien.

Ausgehend von der Beobachtung „echter“, authentischer Momente, überraschender Wendungen mit oft stark "berührender" Intensität und grosser zwischenmenschlicher "Stimmigkeit" in zahlreichen Psychotherapie-Sitzungen, aber auch im Alltag, möchte ich in diesem 10 längere Kapitel umfassenden Buch der Frage nachgehen, wie es kommt, dass wir Menschen einen grossen Teil unseres Lebens hinter einer Fassade von Anpassung, Konvention, sozialer Erwünschbarkeit bis hin zu Manipulation, Täuschung, Esoterik und Kitsch (D.W. Winnicott und Karen Horney nennen dies "das falsche Selbst") verbringen und wie es möglich wird, das dahinter bzw. daneben vermutete und in spontanen Momenten des Ausbrechens aus den üblichen sozialen Rollen spürbare "wahre Selbst" lebendiger werden und in ein stimmigeres Zusammenspiel mit dem äusseren oder Rollen-Selbst (siehe z.B. Mead oder Goffman bzw. Moreno oder Petzold) kommen zu lassen.
Wir werden feststellen, dass es nicht um ein 'entweder-oder' dieser beiden 'Selbste' geht, sondern um ein dialektisches Zusammenspiel der beiden Instanzen oder treffender: Ausprägungen des einen unteilbaren Selbst in Form von 'Aggregatszuständen'; dem oft eher scheuen und ängstlichen 'inneren Selbst' wie ich es nennen möchte (statt dem "wahren" Selbst) und dem eher eloquenten, berechnenden, manchmal aber auch strategisch schweigenden oder sich bewusst verstellenden etc., 'äusseren ("falschen") Selbst'.
Sozusagen als dritte Dimension zu diesem skizzierten Fadenkreuz-Modell in die Tiefe gehend, kommt ein Kontinuum hinzu, welches ausgehend vom Digitalen (noch zweidimensionalen, narzisstischen!) als stumme Oberfläche bzw. Bild bis hin zu einem immer grösser und analoger werdenden, körperlich erfahrbaren Raum (3D), dem ich die Resonanz zuordne, wo das Selbstgefühl ein klingendes, eben resonantes und rhythmisches ist.
Es fallen mir fast nur Metaphern und Sprachspiele aus der Musik (wenn es ums erfahren des analogen Selbst geht) und Malerei/Fotografie/Film dazu ein, wenn es ums narzisstisch-digitale Selbst geht, was, wie wir sehen werden, natürlich kein Zufall ist.

Somit wird durch das ganze Buch hindurch immer deutlicher ein hoffentlich gangbarer Weg aufgezeigt werden, eine Diagnostik und Therapie für ein ausgewogenes, "stimmiges" In-der-Welt-Sein.
Dies wird konzeptuell und anhand von Anwendungen und Beispielen aus zahlreichen Lebensbereichen dargelegt werden um eine Sinnhaftigkeit und Lebendigkeit (wieder-)zuermöglichen, wo Spontaneität, Mut und Freude Raum greifen statt narzisstischer Depressivität und Leere, wie sie nur allzuoft in unseren Praxen und anderswo anzutreffen sind.

Verwirrend dabei könnte für den einen oder für die andere sein, dass es beide 'Selbste' oder eben "Aggregatszustände", also den digitalen (visuellen) wie den analogen (akustischen), für ein ausgeglichenes Leben braucht, obwohl das intuitive Verständnis des 'common sense' und auch der Mainstream in der Psychologie darauf schliessen lassen könnten, dass das Narzisstisch-Digitale immer negativ und unerwünscht wäre und das analog-"schwingende" Selbst immer positiv und richtig und eben "wahr" sei.
Dieses für manche contra-Intuitive ist auch ein Grund weshalb ich lieber von z.B. "innen vs. aussen" spreche und nicht von "wahr vs. falsch" um diese einseitigen Wertigkeiten zu vermeiden.
C.G. Jungs "Person vs. Persona"-Selbstkonzept hat beispielsweise Aehnlichkeiten damit, es gibt aber noch viele weitere Anleihen bei diversesten Schulen und Richtungen auch noch, wie wir in Kapitel 8 sehen werden.

Psychische Gesundheit bedingt also ein jeweils adäquates, kontextabhängiges Einpendeln und Aktivieren sowohl des inneren als auch des äusseren Selbst.
Gemäss der 50/50-Regel (siehe Kap. 5): ca. 50% muss ich selbstbewusst (!) selber beitragen zu meinem Glück, die anderen 50% muss ich die Spannung des nichts-tun-könnens aushalten und muss anerkennen, dass ich auch von Anderen und vom Kontext abhängig bin) sollte beides in der Summe ausbalanciert sein.
Das wahre Selbst ist also nicht besser oder schlechter, nicht wahrer oder falscher als das falsche Selbst bzw. der Narzissmus, sondern erfüllt andere, nach innen gerichtete, "private" Funktionen des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls. Im Zusammenspiel der beiden (daher der Buchuntertitel: 'Regulation in Relation') entsteht erst ein ausbalanciertes und "stimmiges", bzgl. sich und glztg. den anderen achtsames Lebensgefühl und eine robuste Identität als Andere anerkennender und wertebewusster Mensch.



Aufgrund zahlreicher Anfragen von interessierten KollegInnen, aber auch von KlientInnen, bzgl. meines über die Jahre entwickelten und in diesem Buch nun endlich schriftlich beschriebenen und sauber hergeleiteten spezifischen Narzissmus-Behandlungs-Ansatzes, bin ich zum Schluss gekommen, einen Versuch zu wagen, das "Mysterium (Narzissmus-)Psychotherapie" zu beschreiben und damit zu zeigen, dass es sich weder um Magie noch um Hypnose, sondern um rationale und nachvollziehbare, letztlich sogar auch um naturwissenschaftliche Erklärungen (weil m.E. der biologische Körper Grundlage allen (psychischen) Lebens ist und bleibt, vgl. Kap. 8) und Vorgehensweisen handelt, welche die Wirksamkeit und Faszination der Psychotherapie ausmachen.

Diese hier vorgestellten Modell und Konzepte ergänzen die eher hermeneutisch-verstehende, begegnungsorienterte Psychotherapie, welche ich in früheren Texten aus den 90er Jahren (Frauchiger 1994, 1997a+b) sowie 2002 bereits dargelegt habe; hiermit kommt zum bisherigen relationalen, humanistischen, eher geisteswissenschaftlichen Ansatz (im neuen Modell durch eine waagrechte, Dynamik repräsentierende X-Achse dargestellt) eine regulierende, an v.a. Kognitionen und "Embodiment" orientierte rationalere, eher naturwissenschaftliche Sichtweise, dargestellt auf der vertikalen (y), Struktur-Achse, hinzu.

In nunmehr 20 Jahren Psychotherapie-Praxis sowohl im stationären wie im ambulanten Bereich bin ich immer mehr zur Erkenntnis gelangt, dass die allermeisten psychischen Phänomene und Störungen Regulationsphänomene sind, will heissen: es besteht ein mehr oder weniger breites Spektrum zwischen zwei Extremen bzw. zwischen Antagonisten, welche eine, wennauch labile, Balance findend das beste "Ergebnis" erzielen, seien es Ausgleichsprozesse auf der biologischen Ebene z.B. Adrenalin/Noradrenalin oder Serotonin/Dopamin etc. oder auf der psychischen Ebene zwischen Depression und Manie oder zwischen Extraversion und Introversion, auf der sozialen Ebene zwischen männlich und weiblich (Vorsicht: gender!) oder, sehr zentral in diesem Buch, zwischen den Konzepten Konkurrenz und Kooperation oder zwischen Egoismus und Altruismus bzw. innerem und äusserem Selbst.

Dieser dialektische Raum, welcher m.E. als Grundkonzeption für fast alle psychischen Phänomene anwendbar ist, bildet den roten Faden dieses Buches.
Dies, weil nach meiner Erfahrung die weitaus meisten Fragestellungen in heutigen Psychotherapien sich um narzisstische Regulations- und Relationssphänomene ranken, zu deren Beantwortung für jeden Einzelnen von uns optimalerweise ein zwar labiles, aber kreatives, stets gefährdetes "Gleichgewicht des Selbst und des Narzissmus" gefunden und erprobt oder gar erfunden und angewendet werden muss.

Es wird ein weiter Weg sein, der uns beschreibend, argumentativ und sogar in Ansätzen empirisch auf diese etwas ungewohnte Narzissmus-Definition und-Behandlung bringen wird. Es werden nebst psychologischen und biologischen auch soziologische, historische und philosophische Betrachtungen und Phänomene eine wichtige Rolle spielen. Denn auch zwischen den Diziplinen gilt: ein Ausgleich der Sichtweisen (Dialektik: These/Antithese), ein Austarieren der Faktoren und Konzepte bringt uns erst den zu beschreibenden Phänomenen am nächsten.

Eine auf Ausgleich und Integration der Extreme ausgerichtete Psychotherapie, will heissen: das gesunde Mass findend, egal in welchem Lebensbereich, ist ein Hauptziel jeder (meiner) psychotherapeutischen Bemühungen, unabhängig davon, welche Symptome jemand "präsentiert".

Einen zweiten Schwerpunkt und wichtiges Anliegen dieser Arbeit bildet die eingangs mit dem Adorno-Zitat angesprochene Frage nach der Echtheit/Ehrlichkeit/Offenheit von Menschen und Systemen und der weiteren Frage ob und wie denn dem im ersten Teil als narzisstisch analysierten Unechten/Künstlichen/Scheinbar-Echten etc. gesellschaftlich zu begegnen ist und welche gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen die indivuelle Narzissmus-Bereitschaft möglicherweise begünstigt haben und aktuell z.B. in der "Selfie-Produktion" medial sichtbar werden.

Ich postuliere als Fallstricke und "Gegner" einer freien Entfaltung des "Nicht-Narzisstischen", des Echten, des 'Wahren', des "inneren Selbst" also, u.a. den seit den 90er Jahren grassierenden Turbo-Kapitalismus in seiner Ausprägung als Neoliberalismus und einer alles und jeden einnehmenden kommerzialisierten Wirtschaft, welche die Demokratie als Idee und Institution in ihren Grundfesten bedroht, uns alle ermüdet und potentiell depressiv macht (Byung-Chul Han) und einer "Postdemokratie" (Crouch: Rückfall in eine mittelalterliche, ständische Ordnung der Oligarchen und "Könige") den Weg ebnet.
Das Jahr 1989 (die sog. "Wende") hat dabei eine Scharnier-Funktion, weil ab da das vorher vorhandene labile 'Gleichgewicht der Kräfte' in Richtung Konkurrenz, Kapital und Narzissmus gestört wurde und immer noch wird.
Eine Gesundung, d.h. hier: Gleichgewicht zwischen Narzissmus und Selbst findend, des Einzelnen bedingt demnach auch eine Normalisierung der kapitalistischen Wirtschaftspolitik in ein erträgliches und menschliches Mass, wo Regulation (Gesetze) und Relation (Begegnungen zwischen den Menschen) sowie Ethik und Moral (das sind demokratisch auszuhandelnde Werte) wieder eine grössere Rolle spielen.

Mit dem "Gleichgewicht des Selbstwertes" wäre dann eine Grundlage gelegt um mehr Demokratie im Kollektiven und mehr "wahres Selbst" im Individuellen zu ermöglichen.
Nach der Analyse der "verkauften Gesellschaft" und des "erschöpften Selbst" (Ehrenberg) geht es im zweiten Teil deshalb um die über die Diagnose hinausgehenden, weiterführenden, konstruktiven Themen Resonanz, Bezogenheit im Individuellen sowie Anerkennung und Demokratie im Kollektiven um ebendiesen gesellschaftlichen Entwicklungen entgegenzuwirken und in unserem Fall psychotherapeutisch aktiv zu werden.

Ein auf Ausgleich der Extreme ausgerichtetes Vorgehen bedeutet demnach auch, dass das Zusammenwirken individueller (Krankheits-)Faktoren mit gesellschaftlichen Veränderungen stark gewichtet wird und deshalb in der Psychotherapie vorrangig behandelt werden sollte.
Psychotherapie so verstanden ist nicht neutral, kann und will es nicht sein; will heissen: Arbeit an sich selber ist gleichzeitig immer auch sozial/politisch/gesellschaftlich Stellung-nehmend und ethisch-moralisch wertend (gemäss Charles Taylors Konzept der "starken Wertungen", vgl. Kap. 10).

Ein Klient von mir hat einmal gesagt: "Wenn ich mich verändere, verändere ich automatisch auch meine Mit- und Umwelt und damit ein klein wenig auch die gesellschaftlichen Verhältnisse".
Dieser hoffnungsvolle und optimistische kollektive Aspekt der sozialen, therapeutischen Arbeit mit Menschen wird meines Erachtens noch immer stark unterschätzt in einer noch immer zu stark auf individuelle Defizite ausgerichteten Psychotherapie-Szene.

Als Abschluss des Buches werden die beiden zuvor als dialektisch beschriebenen Achsen (Y: die strukturelle Sichtweise (Narzissmus als Kontinuum zwischen den Extremen Psychopathie und Depression) und X: die dynamische Sichtweise) wieder "heruntergebrochen" auf die konkrete Therapiesituation und ein darauf aufbauender "relational-regulativer" Psychotherapie-Ansatz entworfen:
Die wichtigste Dimension der alltäglichen psychotherapeutischen Praxis bildet dabei die Beziehung bzw. der Kontakt zwischen TherapeutIn und KlientIn. Auch hier ist immer wieder ein Mass zu finden zwischen Nähe und Distanz, zwischen Intensität und Entspannung. Besonders betonen möchte ich, dass die Extreme, z.B. des Engagements, auch mal an einem Wochenende oder während des Urlaubs oder der langen Distanznahme und Abstinenz, sehr wohl vorkommen sollen - über viele Sitzungen hinweg gesehen, sollte sich aber ein gesundes Klima einer mittleren Aufmerksamkeit, einer Ausgewogenheit zwischen z.B. Involviertheit und Loslassen, zwischen Konfrontation und Entstehen-lassen einstellen.

Es gilt demnach immer wieder von Neuem, d.h. in jeder Lebenslage und -phase, sogar in jeder einzelnen Situation, ein Gleichgewicht zu finden zwischen zahreichen Antagonisten oder Gegenspielern, wie z.B. Egoismus versus Altruismus, kurz: das Gleichgewicht von Narzissmus und Selbst zu finden!

Die Extreme für sich genommen und ohne Kontext, tun uns und den anderen nicht gut:
Egoismus ins Extreme gesteigert bekommt, klinisch betrachtet, eine Tendenz zur Narzisstischen Persönlichkeitsstörung bis hin zu Psychopathie und Soziopathie, einen Mangel an Empathie also, was übrigens die meisten Kriminellen "auszeichnet" (siehe z.B. Kevin Dutton 2013)...
Altruismus auf der anderen Seite, also das selbstlose anderen helfen und eine "andere immer zuerst"-Haltung (vgl. u.v.a. Schmidbauers "Die hilflosen Helfer"), tendiert klinisch überspitzt gesehen, zu allerlei Sucht(verhalten), zu diversen Depressionsarten bis hin zu Psychose und Suizid.

Diese im letzten Teil dargestellte "Relational-regulative Psychotherapie" (Arbeitstitel...) hat nebst der Psychoanalyse vielerlei Quellen: Gestalttherapie nach Fritz Perls, Integrative Therapie nach Hilarion Petzold, Mentalisierungs-Konzept nach Fonagy und den von der universitären Forschung abgeleiteten kognitiven und systemischen Verhaltenstherapieansätzen (u.v.a. Klaus Grawe, Wolfgang Tschacher und Peter Fiedler).
Die Freudsche Psychoanalyse und das chaostheoretisch-systemische Denken dienen dabei v.a. als theoretischer Hintergrund, das Mentalisieren und die weiteren genannten v.a. kognitiven Verfahren erweisen sich als v.a. für die Praxis sehr wertvoll.



In diesem Buch möchte der Autor aufzeigen, dass der „Narzissmus“ als eine Störung des bio-psycho-sozialen Gleichgewichts dargestellt werden kann.

Mit 20 Jahren Tätigkeit als Psychotherapeut in diversen Institutionen und seit 10 Jahren in eigener Praxis, verfügt der Autor über eine solide Grundlage zu dieser komplexen Thematik, sodass hiermit eine Art Zwischenbilanz vorliegt, bestehend aus einer Zusammenschau von mehreren Tausend Sitzungen mit "Narzissmus-Betroffenen", geronnen zu einer weitreichenden Konzeption zur Grundfrage, was das Zusammenspiel von Narzissmus, verstanden als "falsches Selbst", mit dem "wahren", resonanten SELBST, ausmacht und wie es festgestellt und verändert werden kann.

Diese schwierige Regulation des Selbst wird in mehreren Modellen dargestellt und als Grundkonzept menschlichen Erlebens und Verhaltens begründet mithilfe eines bunten Strausses an Quellentexten aus Fachbüchern, wissenschaftlichen Artikeln, aber auch aus Ratgebern und aus der Tages- und Wochen-Presse.

Die Selbstwertregulation findet demnach an zahlreichen Schnittstellen statt: einerseits als REGULATION gewissermassen „im“ Menschen drinn in Form von Konflikten zwischen biologischen Trieb-Anforderungen des ES und dem verinnerlichten Wertesystem des Ueber-Ich, wie das Freudsche Strukturmodell sehr schön darstellt - andererseits aber auch RELATIONAL zwischen dem Individuum und der Gesellschaft bzw. der Mit- und Umwelt ganz allgemein, wozu u.a. auch die Ressourcen der Natur und das real existierende Wirtschaftssystem gehören.

Um diesem komplexen Themenfeld gerecht zu werden, hat sich der Autor dieser Monographie für ein chronologisches Vorgehen entschieden, sowohl onto- wie auch phylogenetisch, will heissen: der Selbst-Entwicklung des individuellen Menschen folgend wie auch der historischen Abfolge der Theoriebildung zu Selbst und Narzissmus nachzeichnend, als auch eine die politische Grosswetterlage berücksichtigende Struktur der Kapitel darstellende Didaktik. Damit nicht genug: die Kapitel pendeln nebst der Chronizität zudem quasi dialektisch zwischen dem Blickwinkel einer eher individuellen Psychologie und Psychoanalyse (gerade Zahlen) sowie einer eher gesellschaftspolitischen sozialpsychologischen, sozialphilosophischen und soziologischen Sichtweise in den Kapiteln mit ungeraden Ziffern.

Somit werden die Erkenntnisse des einen Kapitels mit dem jeweiligen Schwerpunkt (Selbst versus Andere) im nächsten Kapitel organisch weitergeführt mit dem Ziel, am Schluss des Buches eine schlüssige und kongruente Argumentationslinie zum Thema „Das Selbst und der Narzissmus“ aufgezeigt zu haben.

Markus Frauchiger, im Januar 2016


Auf zahlreicher Literatur basierend, v.a. auf der sozialphilosophischen Anerkennungstheorie (Honneth 1994) und ihren Anwendungen in der Psychoanalyse (u.a. Benjamin 1990, 2004, Grimmer 2006), postuliert der Autor in einem ersten Schwerpunkt (dargestellt in den Kapiteln mit geraden Zahlen) ein vom Individuum immer wieder neu zu erlangendes „prekäres Gleichgewicht“ des Narzissmus (als Selbstwertregulation); kontextbedingt pendelnd und suchend zwischen den Polen Symbiose (Abhängigkeit, Bezogenheit, Gegenseitigkeit, Anerkennung) einerseits und Solipsismus (Unabhängigkeit, Isolation, also Narzissmus im eher triebtheoretischen Sinne, vgl. Freud, Kernberg u.a.m.) andererseits.
In der langjährigen Arbeit mit Menschen mit narzisstischen Problematiken ist eine immerwährende „Regulation“ (Coping mittels Leistungserbringung, Liebesbeweisen etc., im Spektrum Idealisierung vs. Abwertung bzw. Depression vs. NPS/Soziopathie) „in (non-)Relation“ (Coping im Spektrum schamhafter sozialer Rückzug vs. Wut, Gewalt bzw. Opfer vs. Täter; Therapieziel: Beziehung/Bezogenheit, also Achtsamkeit ermöglichen) festzustellen.

In einem zweiten Schwerpunkt (als alternierende Themenkomplexe mit ungeraden Kapitelnummern strukturiert) versucht der Autor auf der Grundlage extensiver Literatursichtungen und auch exemplarisch aufzuzeigen ob und wie sich Narzissmus kollektiv auswirkt (z.B. als Esoterik, Propaganda und Populismus) um so dem Küstlichen bzw. dem Echten auf die Spur zu kommen und was dagegen bzw. dafür getan werden kann (im Sinne von Charles Taylor, Hartmut Rosa und Axel Honneth: Anerkennung, Resonanz, Fülle und Tiefe in einer multikulturellen Demokratie).

Welche Auswirkungen haben nun die Befunde aus den beiden Schwerpunkten für die Theorie und Praxis der Psychotherapie von Einzelnen, Paaren und Systemen?

In einem dritten und letzten Schwerpunkt entwickelt der Autor eine auf dem Haupt-Wirkfaktor der Therapiebeziehung und der Intersubjektivität aufbauende Methoden-integrierende „Relationale Psychotherapie“ (vgl. auch Mitchell 2003), wo allgemeine (common-factors, vgl. Frauchiger 1997, Blaser et al. 1992, Grawe 2005) sowie humanistische, systemisch-kybernetische und auch psychoanalytische Konzepte (u.a. das Mentalisieren, Fonagy et al.) eine sowohl integrierende als auch indikationsspezifische Rolle spielen.
Aus der Erfahrung von 20 Jahren psychotherapeutischer Praxis in verschiedensten Settings sowie unter Hinzunahme obiger Quellen wird das vom Autor entwickelte Konzept des „Narzissmus im Gleichgewicht“ ergänzt durch eine eigene „Praxis der Regulativ-Relationalen Psychotherapie“.

Stichworte: Narzissmus, Anerkennung, „relational turn“, Triangulierung, Begehren, Bindung, Resonanz, Gleichgewicht, Spektrum, Paradoxon, Dialektik, Relationale, Psychotherapie, Psychoanalyse, Intersubjektivität, Mentalisieren, Populismus, Psychopathie, Esoterik, Skeptiker, Macht, Scham, Wut, Depression



Von der "Kunst ein Egoist zu sein" (Buchtitel aus den 70er Jahren) zur "Kunst KEIN Egoist zu sein" (Buchtitel aus den 10er Jahren des 21. Jahrhunderts) und umgekehrt!

Das "Helfersyndom" (Buchtitel und Schimpfwort aus den 70er Jahren) ist weitgehend verschwunden und hat dem hedonistischen Konsum-Narzissmus, dem autistischen Pseudo-Selbst, welches nur noch virtuell-spiegelnd mit anderen Menschen verbunden ist, platzgemacht: Autonomie und Freiheit sind zwar gewachsen, gleichzeitig sind Zusammengehörigkeitgefühl, Anerkennung des Anderen sowie die resonannte, sinnliche Bezogenheit zum Mitmenschen geschwunden und zunehmend in ein Ungleichgewicht geraten.

Gerade wegen dieser narzisstischen Entgleisungen möchte ich für einen gesunden Narzissmus und Selbstwert eine Lanze brechen und in einem ersten Teil einer Synthese bestehender Konzepte für eine umfassende Revision des Begriffs NARZISSMUS plädieren: Regulative Strukturelemente aus der Triebtheorie Freuds und Kernbergs stehen in Wechselwirkung mit relationalen dynamischen Faktoren der Intersubjektivität, welche der Philosophie von Hegel bis Honneth, der Soziologie und Sozialpsychologie von Parsons bis Mead sowie Strömungen aus innerhalb der Psychoanalyse (Ferenczi, Balint, Winnicott, Bowlby bis Jessica Benjamin und Peter Fonagy) entstammen.

Ein ganz zu Beginn präsentiertes sehr einfaches und allgemein gehaltenes dialektisches Modell mit den Achsen Senkrecht und Waagrecht bzw. Struktur und Dynamik bzw. Selbst und Andere usw. begleitet uns durch alle Kapitel hindurch, sei es um einen Spannungs-Raum zu öffnen bzgl. individuellen Themen (z.B. Narzissmus vs. Altruismus) oder gesellschaftlich relevanten Themen wie z.B. Fragen der Anerkennung, Demokratie, Konsum, Gerechtigkeit, Rechtsprechung, Moral, Ethik und Würde.

In einem Zweiten Teil, sozusagen über den Narzissmus hinausgehend, versuche ich aufzuzeigen, dass der lediglich aus Spiegelung und Aufmerksamkeit bestehende Selbstwert schnell zu entgleisen droht in ein von Werbung, Konsum und Esoterik umzingeltes "Falsches Selbst", welches Theater spielend schnell mal von Sinnen gerät und die auf Wachstum programmierte Bühne des Hochleistungssports namens Erwerbsarbeit mit der geruhsamen, gelassenen und Mensch und Natur achtende und anerkennende Realität des "wahren Selbst" verwechselt. Die Kunst des Hin- und Her-Wechselns zwischen den beiden "Aggregatszuständen", zwischen Performanz und Resonanz ist eine schwierige Herausforderung und moderne Psychotherapie sollte auf beiden Ebenen Erkenntnisgewinn bzw. Handlungsanleitungen bereitstellen. Eine dazu passende relationale, anerkennende und Resonanz suchende integrative Psychotherapie wird im letzten Kapitel vorgestellt.

Ein Zitat soll als zusammenfassende Ausgangssituation dieser Arbeit dienen - dem Kontext in dem wir leben, also der ökologischen Um- und Mitwelt:
"Derzeit verzetteln wir uns in einer reizüberfluteten Konsumsphäre, die unsere knappsten Ressourcen aufzehrt, nämlich Zeit und Aufmerksamkeit. Durch den Abwurf von Wohlstandsballast können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, statt im Hamsterrad der käuflichen Selbstverwirklichung zusehends Schwindelanfälle zu bekommen. Wenige Dinge intensiver zu nutzen und zu diesem Zweck bestimmte Dinge einfach souverän zu ignorieren, bedeutet weniger Stress und damit Glück." (Niko Paech in der schweizer Zeitschrift "Zeitpunkt" Nr. 112)


Und nun wünsche ich allen Leserinnen und Lesern viel Erkenntnisgewinn, aber auch viel Spass und Vergnügen auf dieser langen Reise durch viele verschiedene Wissensgebiete, diverse vom Autor sorgfältig ausgewählte und kommentierte Originaltexte aus vielen Disziplinen der Wissenschaft, wo die Psychoanalyse und die Sozialphilosophie als "Hauptfächer" immer wieder didaktisch-strukturierend als Drittes, als Dazwischen und als verbindener Raum einen hoffentlich roten Faden bilden werden.

Markus Frauchiger, lic.phil. Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, CH-3012-Bern, praxis-frauchiger@bluewin.ch


Inhaltsverzeichnis:

0. Vorwort
1. EINLEITUNG: Dialektische Einführung ins Koordinatensystem "Relation und Regulation" 2. NARZISSMUS: Regulation und Kompensation des Selbstwertes 3. MARKETING: "Haben-wollen" und das Ich-Ideal im "Zeitalter des Narzissmus" 4. ENTWICKLUNG: Identität, Gegenwartsmomente und die "Fesseln der Liebe" 5. ESOTERIK: Populismus, "das falsche Selbst" und der manipulierbare Mensch
Teil I: Esoterik als narzisstische Kompensationsmöglichkeit jedes Menschen Teil II: Esoterik 2.0 als kapitalistischer Antrieb von Medien und Wirtschaft Teil III: Esoterik und ihre gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen 6. RELATION: Empathie und Bezogenheit - Dialog, Kongruenz und Echtheit 7. KONSUM: Wachstumskritik des "Immer mehr" im real existierenden Kapitalismus 8. RESONANZ: Emotion, Intuition und "Embodiment, Enactment, Empowerment" 9. DEMOKRATIE: Von der Aufmerksamkeit zur Anerkennung der "Andersheit des Anderen" 10. PSYCHOTHERAPIE: Wirkfaktoren anerkennender, relationaler Psychotherapie 11. LITERATUR: Quellenangaben und Buchempfehlungen


1. EINLEITUNG: Dialektische Einführung ins "Koordinatensystem" von "Regulation und Relation"

Anknüpfend an eigene Ueberlegungen ("Forschung und Metatheorie - Anmerkungen zu wissenschaftstheoretischen Postionen", 1997b) welche ich im Anschluss an meine Lizentiatsarbeit ("Psychotherapeutische Modelle und ihre Wirkfaktoren", 1997a) getätigt habe, beginne ich dieses Buch mit der Darstellung eines Koordinatensystems, bestehend aus zwei sich dialektisch überkreuzenden Dimensionen bzw. Achsen:

Es folgt ein Auszug aus Frauchiger 1997b:
Wittgenstein (1960) diagnostizierte eine „Begriffsverwirrung“ innerhalb der Psychologie. Ein Grund dafür sind m.E. die stark differierenden Erkenntnisweisen von Natur- und Geisteswissenschaften. Wilhelm Dilthey (1894) hat die einflussreiche Formel geprägt: „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir“. Wilhelm Wundt, der Begründer der modernen Psychologie ging ebenfalls von einer Zweiteilung unseres Faches aus (bei ihm: die physiologische und die sog. Völker-Psychologie). Erst später, durch den Einfluss des Behaviorismus, wurde die positivistische, naturwissenschaftliche Wissenschaftsauffassung auf die gesamte Psychologie übertragen. Diese „Vereinnahmung“ dauert m.E. trotz „Kognitiver Wende“ bis heute an.

Das Descart’sche Maschinen- bzw. (moderner) Computer-Modell impliziert eine Zerlegbarkeit des Menschen in messbare Variablen. Diese Sichtweise favorisiert natürlicherweise ein empirisch-nomothetisches Vorgehen, wie es sich in immer raffinierteren statistischen Methoden heute an den meisten Universitäten darstellt. Es gibt aber auch ein grundsätzlich anderes Wissenschaftsverständnis: Die Hermeneutik basiert auf der viel weiter in die Menschheitsgeschichte zurückreichenden Tradition des Naturverstehens durch „Zeichendeutung“, wie sie z.B. Jäger und Medizinmänner praktiziert haben. Die Natur ist nach dieser Auffassung ein Buch, dessen Wörter und Sätze der Kundige auf der Grundlage seines Erfahrungswissens lesen und auslegen kann. Die Bedeutung eines Zeichens erschliesst sich nicht aufgrund von mathematischen Gesetzen, sondern durch den Zusammenhang, in dem es steht. Es wird eine Zirkularität postuliert: zwischen dem Ganzen und dem Detail aber auch zwischen Erkenntnisobjekt und Erkenntnissubjekt. Diese Interpretationen sind zudem geschichtlich bedingt, wie uns Gadamer (1960) lehrt. Wie in einem Zerrspiegel (geschichtlich-sprachliche Deutungsmuster) nehmen wir die Umwelt und uns selbst wahr. Gemäss Gadamer können wir aber durchaus unsere Grenzen des Erkennens im Austausch mit dem Erkenntnisgegnstand schrittweise erweitern - ohne dass aber jemals eine geschichtslose, „objektive“ (wie sie der Positivismus postuliert) Erkenntnis erreichbar wäre.

Die folgende Abbildung (aus Legewie 1992) stellt die beiden grundsätzlichen Formen von Wissenschaftsauffassung einander gegenüber:
Cartesianisches Wissenschaftsverständnis
- Erkenntnis raum- und zeitlos
- Strikte Trennung zw. Erkennendem Subjekt ("denkende Substanz") und Erkenntnisobjekt ("ausgedehnte Substanz")
- Zerlegung des Erkenntnisobjekts in messbare "Variablen"
- Ableitung des Zusammenwirkens der Variablen aus allgemeinen Gesetzen
- Maschinenmodell (heute: Computermodell) des Menschen
- Ziel: Vorhersagbarkeit/Beherrschabrkeit des Erkenntnisobjekts

Hermeneutisches Wissenschaftsverständnis
- Historisch-kulturelle Bedingtheit von Erkenntnisobjekt und –subjekt
- Wissenschaftler als Teil des Erkenntnisprozesses ("Selbstaufklärung" durch "Gegenstandsaufklärung")
- Verstehen von Sinnzusammenhängen als metho-disches Grundprinzip
- Theoriebildung als "Textinterpretation" (hermeneutischer Zirkel)
- Handlungsmodell des Menschen
- Ziel: Verstehen von Zusammenhängen als Grundlage von Veränderungen
Cartesianisches (naturwissenschaftliches) versus Hermeneutisches (geisteswissenschaftliches) Wissenschaftsverständnis
Quelle: Frauchiger, M. (1997b). Wissenschaftstheoretische Ueberlegungen zu Metatheorien in der Psychotherapie


Noch kürzer formuliert, könnte die Gegenüberstellung der beiden Paradigmen so bezeichnet werden:
- Nomothetik als Regulationsdimension (y-Achse): Naturwissenschaften inkl. Medizin und Psychiatrie

Hierher gehören nebst der Quantifizierbarkeit (Popper 1972) auch Begriffe wie u.a. Struktur, Ordnung, Präzision, Messung, Maschinenmodell und Autorität, vgl. Kapitel 2-4 in diesem Buch

- Idiographik als Relationale Dimension (x-Achse): Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften
Hierher gehören nebst dem Qualitativen Paradigma (Thomas Kuhn 1976) auch Prozess, Dynamik, Intuition, Resonanz, Relation, Dialog und Demokratie etc., vgl. Kapitel 5-9.

In neuerer Zeit findet sich dieses "Fadenkreuz" der beiden sich ergänzenden "Welten" u.a. wieder bei Gödde und Buchholz (2013) in ihrem monumentalen Zweibänder "Der Besen mit dem die Hexe fliegt - Wissenschaft und Therapeutik des Unbewussten", auf 1354 Seiten...:
Der Besen entpricht im metaphorischen Bild der beiden renommierten Professoren dem nomothetischen, quantitativ-messenden Zugang zu den Phänomenen, welche v..a die universitäre, Steuergeld-alimentierte Forschung untersucht, währenddem die Hexe (an Freuds "Hexe Metapsychologie" erinnernd) als Symbolbild für die idiografischen, qualitativ-hermeneutischen Zugänge steht bzw. fliegt, im Sinne von lebendig-sinnlichem, erspürenden, in Resonanz (Kap. 8) und Relation (Kap. 6) stehenden Forschens und In-der-Welt-Seins.

Eine Synthese dieser beiden in einem dialektischem Verhälnis stehenden Zugänge liest sich in der Metaphern-Sprache von Buchholz und Gödde so:
"In der Therapeutik [vgl. Kap. 10] muss ebenso wie in der Wissenschaft gearbeitet werden, damit man manchmal auch fliegen kann. Der ordnende, aufräumende Besen und die fliegende Hexe gehören zusammen, Zauberei allein schafft nur Unordnung und Verführung, ein Besen ist lediglich ein langweiliges Haushaltsinstrument.
Therapeuten brauchen mehr als den Besen der Manuale: Zur Ordnungsleistung der Wissenschaft muss die philosophisch-lebenskundliche Orientierung hinzukommen, damit Wind unter den Flügeln entsteht und die Therapeuten mehr sind als technische Experten" (aus der Verlags-Broschüre, Hervorhebungen M.F.).

Auf die Erweiterung des Buchholz/Gödde'schen "Fadenkreuzes" auf die zwei Dimensionen des Unbewussten komme ich in Kapitel 6 (Relation) ausführlich zu sprechen.



Um die Themenbereiche weiter abzustecken und eine vertiefte Einordnung im oben beschriebenen Sinne konkreter vorzunehmen, habe ich mich entschieden, zwei ganz unterschiedliche Texte kommentiert und im Original wiederzugeben - eine Vorgehensweise wie ich sie durch das ganze Buch hindurch bevorzugt verwende, auch um zu unterstreichen, dass ich "auf Schultern von Riesen stehend", die Welt nicht neu erfinde, sondern neu ordne und Schneisen durch den Urwald der Theorien und Konzepte schlage um so hoffentlich auch den PraktikerInnen unter Euch zwar einfache aber nicht simple Werkzeuge ("Tools" wie es heute neudeutsch heisst) in die Hand zu geben.

Somit bekommt der Leser/die Leserin von Anfang an einen Ueberblick und gleichzeitig zwei durch dieses Buch pendelnde Antagonismen vorgestellt, sichtbar an den geraden vs. ungeraden Kapitelthemen oder, wie ich es nennen möchte ein "Dialektisches Koordinatensystem" mit den Achsen "Struktur vs. Dynamik" bzw. eben "Regulation vs. Relation" um den weiteren Ausführungen zu meiner eigenen Narzissmus- bzw. Selbst-Konzeption besser folgen zu können.

Als erstes gibt Prof. Heinz Henseler einen historisch-zusammenfassenden Ueberblick über Entstehung und Konzeption verschiedener Narzissmus-Konzepte auf denen auch mein eigener Ansatz aufbaut (beschrieben am Ende von Kapitel 2). Der Psychiater Henseler beschreibt im folgenden Text regulative Narzissmus-Konzepte welche es bereits in den 70er Jahren gab, wennauch ihr Durchbruch erst ab der "Relationalen Wende" der 2000er Jahre erfolgte - interessanterweise haben die relational orientierten Autoren (im Fadenkreuz- bzw. Hexenbesen-Modell die x-Achse) den regulativen, also strukturalen Theorien (y-Achse) neuen Aufschwung gegeben.

Die "intersubjektive Wende" (beschrieben v.a. in Kap. 4) nimmt auch Prof. Annedore Prengel in ihrem weiter unten zitierten Text auf. Die renommierte Pädagogin fasst die gesellschaftspolitischen, philosophischen und sozialen Aspekte des Narzissmus in ihrem jüngst erschienen Buch "Pädagogik zwischen Anerkennung und Anpassung" (2014) m.E. sehr gut zusammen.
Mit diesen beiden längeren Buchauszügen und der darauffolgend kurz dargestellten kollektiven Kränkungsgeschichte (Kap. 1.x) sowie der Einführung ins Freudsche Strukturmodell (Kap. 1.x), ist das Feld dann bereits bereitet, auf dem ich ab dem zweiten Kapitel mein eigenes Modell welches zwischen den Disziplinen und gewissermassen auch "zwischen den Menschen" Raum greift, entwickle.
Die beiden titelgebenden Hauptdimensionen "Regulation und Relation" werden wie gesagt ein erstes Mal in diesen nun folgenden Textauszügen von Heinz Henseler (Regulative Dimension) und Annedore Prengel (Relationale Dimension) vorgestellt.

1.1. Die regulativen Narzissmustheorien

1.1.1. Narzissmus: Eine erste Begriffsklärung

siehe: Henseler, Heinz (2000, 4.Aufl.). Narzisstische Krisen. Zur Psychodynamik des Selbstmords. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag

Den Begriff «Narzissmus» führte Sigmund Freud 1914 in die psychoanalytische Theorie ein; er wurde in der Psychoanalyse der letzten 50 Jahre jedoch uneinheitlich benutzt. Nach der klärenden Diskussion der sechziger Jahre, die vor allem mit den Namen Balint (Bindungstheorie), Joffe und Sandler (Gleichgewicht von Wohlbefinden und Sicherheit), Kohut (Selbstpsychologie, vgl. Kap. 2), Schumacher (Integratives Narzissmus-Modell) und Argelander (Modell des reformulierten Narzissmus) verbunden ist, versteht die Psychoanalyse heute unter Narzissmus oder narzisstisch die verschiedenen Zustände des Selbstwertgefühls, der affektiven Einstellung des Menschen zu sich selbst (vgl. Henseler 2000, S. 73, Hervorhebungen M.F.).

Ist diese Haltung, dieses Gefühl, dieses Konzept (vgl. Kap. 8) sich selber gegenüber, "realitätsgerecht", spricht man gemäss Henseler von gesundem Narzissmus, ist sie es nicht, von narzisstischer Störung.
Die narzisstische Störung kann sich sowohl in einem übertriebenen Selbstgefühl als auch in übertriebenen Minderwertigkeitsgefühlen äussern (vgl. Kap.2).

Im Zuge der Entwicklung der Psychoanalyse von einer vorwiegend Es-psychologischen zu einer auch Ich-psychologischen Ausrichtung verdeutlichte sich die relative Eigenständigkeit und Eigengesetzlichkeit eines narzisstischen Regulationssystems in der Psyche des Menschen neben dem bekannteren System der Triebregulation (vgl. Henseler 2000, S. 73). 1.1.2. Entwicklung und Funktion des narzisstischen Systems
Der harmonische Primärzustand im primären Narzissmus Freudscher Prägung

Eine Grundannahme der klassisch-psychoanalytischen Narzissmustheorie besteht darin, sich den frühesten psychophysiologischen Zustand des Kindes nach dem Modell der intrauterinen Einheit von Mutter und Kind vorzustellen. FREUD meint dazu: «Die Entwicklung des Ichs besteht in einer Entfernung vom primären Narzissmus und erzeugt ein intensives Streben, diesen wiederzugewinnen» (1914, Ges.W. Bd.10, S.167).

Ueber die Existenz eines solchen harmonischen Primärzustandes besteht relative Einigkeit in der Literatur. Uneinigkeit besteht in der Bezeichnung und der metapsychologischen Beschreibung dieses Zustandes. Freud (1914) spricht vom primären Narzissmus und nimmt einen subjektiven Zustand grossartiger Unabhängigkeit von der Umwelt an.
Balint (ab 1932, z.B. 1960) spricht vom Stadium der primären Liebe und meint damit, es gebe sehr primitive Objektbeziehungen prinzipiell von Anfang an.
Diesem Antagonismus von "Triebtheoretikern einerseits versus Intersubjektivisten andererseits" widme ich fast das ganze nächste Kapitel, weil anhand dieser unversöhnlich scheinenden Narzissmus-Verständnisse sehr gut die Dialektik von Struktur und Dynamik bzw. von eher autoritären gegenüber eher beziehungsorientierten psychotherapeutischen Haltungen in ein Integratives Modell des Menschen dargestellt werden kann.

1.1.3. Die Urverunsicherung und die Trennung von Selbst und Objekten
Heinz Henseler beschreibt diese erste "narzisstische Kränkung" des Säuglings (weiteres dazu in Kapitel 4) wie folgt: 1.1.4. Kompensationsmechanismen
Die Kompensationsversuche dieser 'Urverunsicherung' beschreibt H. Henseler (2000) folgendermassen (ebenda S. 76f.):

Die reife Reaktion auf eine Kränkung

Abschliessend zum Thema "Narzissmus aus triebtheoretischer vs. relationaler Sicht" möchte ich noch einmal Henseler zitieren, wie er sich zu den "normalen" Kränkungsreaktionen äussert (ebenda, S. 81) - die pathologischen Kränkungsformen finden sich im Psychopathie-Abschnitt am Ende des Kapitels 3 dieses Buches: Quelle: Henseler, Heinz (2000, 4.Aufl.). Narzisstische Krisen. Zur Psychodynamik des Selbstmords. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S. 73-82


1.2. Relationalität und Anerkennung

Quelle: Prengel, Annedore (2013). Pädagogische Beziehungen zwischen Anerkennung, Verletzung und Ambivalenz. Opladen: Barbara Budrich

1.2.1. Begriff und Metapher des Relationalen

In der Einführung haben wir das "Fadenkreuz-Modell" mit den beiden Achsen kennengelernt und wollen nun nach der inhaltlichen Präsentation der y-Achse mit Henselers Narzissmus-Text, eine Vorstellung der x-Achse vornehmen, wo Frau Prof. Prengel die relationale Dimension des Menschseins beschreibt und historisch-philosophisch herleitet.
Ich erlaube mir kurz ein Wort zur Darstellungsweise: Hervorhebungen in Form von Fettschrift bzw. von Unterstreichungen (bzw. in der Online-Version als "Links" versehene Stellen) stammen wie immer von mir, dem die Originaltextlektüre begleitenden Kommentator. Längere Zitate sind der wissenschaftlichen Usanz entsprechend leicht eingezogen, [auch wenn darin in eckigen Klammern eigene Anmerkungen zum Zitat eingebunden sind]:
Das Doppelstandbild stellt die lesen lernende Maria und die lesen lehrende Anna dar, während sie sich auf das Buch zwischen ihnen, das sie gemeinsam halten, konzentrieren. Es liegt nahe zu fragen, ob und wie es als eine historisch frühe, vielleicht sogar klassisch zu nennende Imagination zur triangulierenden relationalen Struktur der Kommunikation im menschlichen Generationenverhältnis, Habermas 2009, gedeutet werden könnte: eine Balance im Didaktischen Dreieck, das, eingebettet in ein vielschichtiges Umfeld, aus den Beziehungen zwischen lernendem Kind, lehrender Erwachsener und Lerngegenstand entsteht und veranschaulicht, dass die kognitive Beziehung zum zu vermittelnden Lerngegenstand mit der emotionalen Beziehung zur lehrenden Person verbunden ist Annedore Prengel spricht hier in verdichteter, lebendiger Form sehr wichtige AutorInnen und deren Texte an [Verweise auf eigene Kapitel in eckigen Klammern an Ort und Stelle im zitierten Text: Bourdieu, Rosa, Mead], wie sie auch für meine eigene Konzeption massgebend sind. Es war deshalb ein grosser Glücksfall, dass ich gegen Ende meiner fünfjährigen in meiner Freizeit vorgenommenen Recherche-Arbeit (2010-2015) auf dieses kleine, feine Büchlein mit der eine Triangulation "Lehrerin, Schülerin und Buch (als Uebergangsobjekt", vgl. Kap. 8 und 10) darstellenden sakralen Skulptur auf dem Deckblatt stiess und nun die Ehre habe, es ganz zu Beginn meines eigenen Buches einbauen zu dürfen um darzulegen, wieviel reichhaltige, spannende und erbauende Literatur aus den unterschiedlichsten Richtungen und Zeiten es zum Thema der Bezogenheit (hier zunächst bewusst trocken-technisch verkürzt als x-Achse eingeführt) gibt. Doch hören wir weiter der Autorin zu, wie sie im nächsten Zitat spannende Philosophiegeschichte betreibt:

1.2.3. Dialogtheorien

Wenn wir nun mit Annedore Prengel Relation bzw. das Relatum definiert und eingeordnet haben und nun historisch-philosophisch weitergehen und schauen, was die Moderne zum Thema zu bieten hat, wird bereits Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich, dass die Dialektik bzw. der Gegensatz von Aufklärerisch-versachlichenden Ansichten und romantisch-gefühlsbetonenden Philosophien nicht beendet wird, sondern im Gegenteil sich bis heute eher noch zuspitzt und teilweise verhärtet, wenn wir z.B. aktuelle politische und weltanschauliche Konflikte zwischen eher konservativ-hierarchischen Denkweisen westlicher und östlicher Diktatoren und Diktaturen betrachten und auf der anderen Seite den Versuchen, eine demokratische, auf Dialog und Begegnung der Kulturen progressiv-sozialen Denk- und Handlungsweise.
Die in der Einleitung dargestellten Gegensatzpaare im Fadenkreuz von x- und y-Achse finden sich nicht nur in der Wissenschaftstheorie wieder sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen, inklusive Politik, Philosophie, Psychologie und Pädagogik.
Prengel stellt in der Folge deshalb dar, wie wichtig und unabdingbar es ist, dass Dialogtheorien wieder- und weiterbelebt werden, wollen wir aus dem "Unbehagen an der Moderne" (Buchtitel von Charles Taylor, ähnlich zu finden auch bei Sigmund Freud und Alain Ehrenberg) herausfinden und eine lebenswerte, enkeltaugliche Mit- und Umwelt erhalten und hegen und pflegen: Gerade letzterer Punkt Prengels zur "Pluralität der Forschungsperspektiven" ist mir besonders wichtig, weil gerade dadurch der Respekt und die Anerkennung des jeweils Anderen, auch und gerade in ihrem/seinem Anderssein hervorgehoben wird. Es geht mir also nicht um ein Entweder-Oder des z.B. Normorientierten vs. dem Subjektiven, sondern um eine Zusammenarbeit und Synergie welche entsteht, wenn derselbe Gegenstand oder Mensch von verschiedenen Seiten her betrachtet wird, um in der Sphäre des Forschens zu bleiben einerseits also messend-normativ-strukturiert und andererseits begegnend-emotional-subjektiv.
Wenn wir auf diesen Erkenntnissen weiter aufbauend die politische und gesellschaftliche Dimension (oder 'Sphäre' gemäss Michael Walzer) hinzunehmen und die relationale Betrachtungs- und Seinsweise dominant werden lassen im Fadenkreuz der Perspektiven (also nach rechts auf der x-Achse) landen wir bei Emotionen und Menschenrechten, bei Demokratie und Gerechtigkeit und bei Empathie und Liebe, wie Prof. Prengel im folgenden sehr schön beschreibt: Mein Anliegen ist es ja, in diesem ersten Kapitel möglichst viele der in der Folge genauer auszuarbeitenden Konzepte und Themen ein erstes Mal vor Ihnen, lieber Leser, liebe Leserin, auszurollen. Zurückkehrend in die Sphäre des Individuellen und Privaten, bietet sich die Psychoanalyse und ihre Weiterentwicklungen an als Untersuchungsmethode intra- und auch intersubjektiver (!) Vorgänge (das Ausrufezeichen soll auf die PSA-internen, streitenden Positionen bzgl. Huhn-Ei, will heissen: "primärer Narzissmus vs. primäre Intersubjektivität" verweisen, vgl. auch den Henseler-Text oben und das zweite Kapitel). Hierzu, also zu konkreten psychotherapeutischen Anwendungen relationalen Denkens und damit auch Grundlagen zur Entwicklung von 'Narzissmus' liefernd (vgl. Kap. 2 und 4: Bindungen), hat Annedore Prengel folgendes geschrieben: Anerkennung (Honneth würde von "Anerkennung in der Sphäre des Rechts" sprechen, Kap. 6 und 9) erhält die Bindungstheorie sogar von allerhöchster gesundheitspolitischer Stelle, von der Weltgesundheitsorganisation WHO, welche bereits 1946 folgenden Satzungsartikel beschlossen hat: Abschliessend zu dieser 'Tour d'Horizon du relationnel' möchte ein letztes mal Prof. A. Prengel zitieren, wie sie sich zur empirischen Befund- und Studienlage bezüglich Empathie, Intuition, Beziehung, Kooperation, ... kurz: zur Relationalität (oder wer's lieber so mag: zur Intersubjektivität) und im Anschluss daran zu den Menschenrechten äussert: Literaturangaben zu den im Text erwähnten Quellen:
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Nachdem mit den beiden Texten von Henseler und Prengel ein erster dialektischer Raum eröffnet wurde zwischen Strukturmerkmalen bzw. einer Sichtweise der Regulation (y-Achse) und dynamischen Mermalen der Relation (x-Achse, vgl. Tab. xy), bildet die im weiteren Verlauf des Buches zu skizzierende Denkfigur ein zweites Modell zum Verständnis narzisstischer Phänomene: die Dialektik von wahrem und falschem Selbst wie es v.a. bei Donald Winnicott und Karen Horney (zwei Psychoanalytikern) bereits Mitte des 20. Jahrhunderts auftaucht, in den 70er Jahren aber auch z.B. bei Alice Miller und James Masterson vorkommt und in jüngerer Zeit sogar in der Soziologie eines Manfred Prisching oder eines Ronald Hitzler, vgl. Kap. XY.

Im zweiten Teil, ab Kapitel 6 werden wir sehen, dass uns hierzu die diversen Narzissmus-Konzepte nicht mehr sehr weiterhelfen, weil Narzissmus per definitionem immer etwas Künstliches, Gespieltes, Unechtes in sich birgt, also weitgehend dem falschen Selbst entspricht.
Zur Unterscheidung von Echt vs. Falsch oder auch zwischen innen und aussen oder auch zwischen Selbst und Andere, sind körpernahe und begegnungsorientierte Resonanzphänomene eine viel bessere Orientierungshilfe, um die unterschiedlichsten bewussten wie unbewussten Manipulationsversuche (der Werbung beispielsweise, Kap. 3 oder der Propaganda, Kap. 5) zu entlarven und somit zu unterscheiden von echten, engagierten und kraftvollen (Stichwort: Empowerment, Embodiment, Enactment) Handlungen und Erlebensweisen; zu letzterem habe ich das Kapitel 8 geschrieben, wo es um Selbstkonzepte, Embodiment, Empowerment und Enactment geht.

Persönliche Motivation und Ausgangslage für einen erweiterten Narzissmusbegriff

In den Jahren nach der ersten Weltwirtschaftskrise des 21. Jahrhunderts (ca. von 2007-2009) begann ich vermehrt Bücher und Artikel zu den Themen Wirtschaft, Soziologie, Phoilosophie und Psychologie zu lesen.
Dies auf dem Hintergrunde einer jahrzehntelangen praktischen und theoretischen Beschäftigung mit Psychotherapie, Psychiatrie, Sozialpsychologie und Psychoanalyse.

Aus diesem situativen Interesse für Oekonomische Fragen und Prozesse hat sich in Kombination mit einem Vorhaben zu Narzissmus eine sehr spannende Ausgangslage ergeben für ein umfassendes Buch bzw. Werk über die zahlreichen Verknüpfungen zwischen den genannten Wissenschaften und deren Anwendungen.

Quellen:
Blog - Leben im Falschen

(.........)



2. Historische und philosophische Grundlagen moderner Psychotherapie

2.1. Kränkungen der Menschheit: Kopernikus, Darwin, Freud

Um diese an sich einfachen Fragen beantworten zu können, muss ich (leider) sowohl historisch wie theoretisch weit ausholen:
Ausgangspunkt bilden erstmal folgende drei aufeinander aufbauende, bahnbrechende Entdeckungen und Kränkungen:
  • Heliozentrisches Weltbild (Kopernikus u.a., 16. Jahrhundert)

  • Evolutionstheorie (Charles Darwin, 19. Jahrhundert)

  • Psychoanalyse (Sigmund Freud, 20. Jahrhundert)

. . . . .

Sigmund FREUD hat die Psychoanalyse als die dritte grosse Zumutung für das menschliche Selbstbewusstsein angesehen: durch Darwin in der Frage der Abstammung, durch Kopernikus in der Frage nach der Stellung im All desillusioniert, wurden durch die Entdeckung des Unbewussten (Freud) das menschliche Bewusstsein und die Souveränität des Ichs entthront.

Die Psychoanalyse reiht sich ein in die grossen Denkansätze des 20. Jahrhunderts, welche die jenseits der eigenen menschlichen Intention liegenden Bedingungen und Ordnungen des menschlichen Lebens herausarbeiten: seien es nun die vorsubjektiven Strukturen im Strukturalismus (Claude Lévi-Strauss, Roland Barthes, Paul Ricoeur, Anthony Giddens), die vor aller Reflexion liegenden Weisen des In-der-Welt-seins in der Existenzialphilosophie (z.B. Jean-Paul Sartre, Albert Camus), die gesellschaftlichen Diskurse, die sich in das Denken des Individuums einschreiben, in der Diskursanalyse (v.a. Michel Foucault), oder den Vorrang des Gesprächs vor dem individuellen Denken in der Hermeneutik (Dilthey, Heidegger, Gadamer u.a.).

. . . . . .

Die Psychoanalyse untersucht unbewusste Motivationen, wie sie sich je eigenwillig zusammensetzen aus den natürlichen, d.h. biologischen, Anlagen, insbesondere der Triebnatur, den (Un-)Verfügbarkeiten frühester Lebenserfahrungen und den auf beide antwortenden Phantasiebildungen (Neurosen, aber auch Träume).



2.2. PSYCHOANALYSE und Tiefenpsychologie

Weil für meine eigene tägliche Arbeit als Psychotherapeut in freier Praxis in Bern die klassische Psychoanalyse von Freud die Hauptgrundlage ist, möchte ich im folgenden die Konzepte und Methoden des "Entdeckers" der Psychoanalyse, Sigmund Freud (es gab "Vorgänger im Geiste", wie Nietzsche, Schopenhauer, Breuer, Charcot, Janet u.a.) beschreiben, bevor wir dann in Kapitel 2 zur Beschreibung diverser und auch meines eigenen Narzissmus-Konzepts kommen:

Was ist Psychoanalyse und wie hat sie sich entwickelt ?

Die Psychoanalyse wurde von Sigmund Freud (1856-1939) begründet. Freud gliedert das psychische Erleben in die Bereiche Unbewusstes, Vorbewusstes und Bewusstsein. Grosse Bedeutung kommt auch den Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Verleugnung, Projektion etc. zu, die in der frühen Kindheit gegen bedrohliche Erlebnisinhalte aufgebaut werden. Ziel der Psychoanalytischen Behandlung ist es, Einschränkungen im Erleben des Patienten dadurch zu beheben, daß Unbewusstes bewusst gemacht wird. Dies geschieht vor allem durch die "freie Assoziation" (alles, was dem Klienten in den Sinn kommt, soll geäußert werden) und durch die Analyse der auftauchenden Uebertragungsphänomene. Der Analytiker bewahrt eine "gleichschwebende Aufmerksamkeit", d.h., er nimmt alle vorgebrachten Aeusserungen möglichst selektionsfrei, unvoreingenommen und nicht wertend wahr und hilft, diese durch Deutung ihres verborgenen Sinnes zu entschlüsseln. Zudem hält sich der Analytiker hinsichtlich persönlicher Aeusserungen weitgehend zurück ("Abstinenz"), um die Uebertragung, d.h. die Verschiebung von Gefühlen, Einstellungen und Verhaltensweisen des Analysanden gegenüber früheren Bezugspersonen auf den Therapeuten zu fördern.

Sigmund Freud, in armen Verhältnissen in der Provinz aufgewachsen, hat sich im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu einem erfolgreichen Psychiater und Psychotherapeuten hochgearbeitet; dies, nachdem er eine universitäre Karriere aufgrund seiner jüdischen Herkunft (!) hatte aufgeben müssen. Diese "Degradierung" (aus Sicht der oberen Gesellschaftsschicht) vom Forscher zum Praktiker hat sich in der Folge aber als fruchtbar erwiesen. Die Psychoanalyse wäre im Elfenbeinturm der Universität kaum entdeckt worden. Hier zeigt sich ein erstes Mal die Notwendigkeit einer Verschränkung von Theorie und Praxis.

Nachdem Freud in den 1890er Jahren in Ermangelung etwas Besseren, zusammen mit seinem väterlichen Freund Josef Breuer, v.a. mit Hypnose gearbeitet hatte (sehr spannend: Studien über Hysterie, 1895), kam er zum bahnbrechenden Schluss, dass dieselben Gedächtnis-Inhalte (sog. "Material") auch bei vollem Bewusstsein hervorzuholen sein müssten und er erfand die Methode der "Freien Assoziation". Erst dadurch konnte das in der Therapiesitzung Erkannte (damals noch oft durch relativ autoritäre Deutungen des Analytikers, heute meist gemeinsam und partnerschaftlich mit dem Klienten zusammen), auch in den Alltag der PatientInnen transferiert werden.

Von 1895-1905 arbeitete Freud die Psychoanalyse zu einer geschlossenen Theorie aus. 1897: Oedipus-Komplex, 1900: Traumdeutung, 1901: Fehlleistungen, 1905: Sexualtheorie.
Da ich an dieser Stelle nur auf ausgewählte Themen näher eingehen kann, sei auf ein ausführliches Literaturverzeichnis mit Buchtitel-Abbildungen etc. verwiesen: www.psychotherapeut-bern.ch/literatur.htm.

(..........)

Klassische Psychoanalyse (Sigmund Freud)

Die Psychoanalyse wurde von Sigmund Freud (1856-1939) begründet. Freud gliedert das psychische Erleben in die Bereiche Unbewusstes, Vorbewusstes und Bewusstsein. Grosse Bedeutung kommt auch den Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Verleugnung, Projektion etc. zu, die in der frühen Kindheit gegen bedrohliche Erlebnisinhalte aufgebaut werden.
Ziel der Psychoanalytischen Behandlung ist es, Einschränkungen im Erleben der/s PatientIn dadurch zu beheben, dass Unbewusstes bewusst gemacht wird. Dies geschieht vor allem durch die "freie Assoziation" (alles, was der/m KlientIn in den Sinn kommt, soll geäussert werden) und durch die Analyse der auftauchenden Uebertragungsphänomene.
Die/der AnalytikerIn bewahrt eine "gleich schwebende Aufmerksamkeit", d.h., er nimmt alle vorgebrachten Aeusserungen möglichst selektionsfrei, unvoreingenommen und nicht wertend wahr und hilft, diese durch Deutung ihres verborgenen Sinnes zu entschlüsseln. Zudem hält sich die/der AnalytikerIn hinsichtlich persönlicher Aeusserungen weitgehend zurück ("Abstinenz"), um die Uebertragung, d.h. die Verschiebung von Gefühlen, Einstellungen und Verhaltensweisen der/des AnalysandIn gegenüber früheren Bezugspersonen auf die/den TherapeutIn zu fördern.

Setting: 3 bis 5 mal wöchentlich, oft über mehrere Jahre. Um das freie Assoziieren zu erleichtern, liegt die/der KlientIn auf der Couch, die/der AnalytikerIn sitzt für ihn nicht sichtbar am Kopfende (zitiert nach: Paul Gumhalter, Beatrix Teichmann-Wirth, Martin Voracek und Gerhard Stumm).

Lebenslang steht diesem freudschen Modell zufolge der Homo sapiens im Konflikt zwischen seinen naturwüchsigen Triebwünschen und gesellschaftlichen Zwängen, die ihn nötigen, sich zu mässigen oder Verzicht zu üben. Wo das misslingt, beginnt die seelische Krankheit.

Bewusst, Unbewusst, Vorbewusst

Im 7. Kapitel, Abschnitt F seines Hauptwerkes (provozierend, weil irreführend, "Die Traumdeutung" (1899) genannt), beschreibt Freud ein erstes Mal drei wichtige Bewusstseinszustände des Menschen, als sog. "erste Topik" bekannt geworden:

- Bewusst = wach, klar, sofort und jederzeit beschreibbar
- Vorbewusst = bewusstseinsfähig, nur mittels tiefenpsychologischer Methoden zu erkennen
- Unbewusst, inkl. verdrängt, nur mittels psychoanalytischer Methoden zu erkennen

Der aus dieser Dreigliederung abgeleitete wichtigste Abwehrmechanismus (s.u.) ist die Verdrängung (von ehemals Bewusstem ins Unbewusste "hinunter").

Die zweite Topik: Das Strukturmodell oder "Wo Es war, soll Ich werden"

Zweite Topik - Integrationsmodell - Freud - 1932
Da Sigmund Freud, wie erwähnt, seine Konzepte einerseits aus der praktischen Arbeit gewann, andererseits diese auch wieder anhand konkreter Begebenheiten immer wieder überprüfte (vgl. auch Klaus Grawes (!) Forschungszyklus, beschrieben in Frauchiger, 1997, Wirkfaktoren der Psychotherapie), modifizerte er seine Theorie des Unbewussten allmählich und es entstand folgendes, zweites Schichtenmodell (sog. zweite Topik (1923) oder Instanzenlehre):

- ICH: bewusstseinsfähige Werkzeuge wie Sprache, Rechnen, Feinmotorik
- ES: unbewusste, lebenswichtige Antriebe des Menschen (v.a. Sexualität, Aggression, später: Todestrieb)
- Ueber-ICH (Ich-Ideal): von den Eltern bzw. Gesellschaft unbewusst übernommene Normen

Beide Modelle kombiniert (er hat die erste Topik nie aufgegeben!), ergeben folgendes Bild:

(...............)

ICH-IDEAL

[englisch: ego ideal, französisch: ideal du moi.]
Freud benuzte den Ausdruck Ich-Ideal, um den Bezugsrahmen des Ich [s.o.] näher zu bezeichnen. Das Ich-Ideal ist dabei gleichzeitig als Ersatz für den aufgegebenen kindlichen Narzissmus (Idealisierung des Ich) zu verstehen und als Identifikation mit den Eltern sowie deren sozialem Bezugssystem.
Der Begriff Ich-Ideal ist ein wesentlicher Bezugspunkt in der Entwicklung des Freud'schen Denkens vom Beginn der Ueberarbeitungen des ersten topischen Modells [s.o.] an bis zur Einführung des Ueber-Ich (ebenda) im zweiten topischen Modell (Strukturtheorie, s. Ausführungen zu Topik I und II in Kap. 1).
Die Dimension eines Ideals als Bezugspunkt des Ich taucht bei Freud 1914 in "Zur Einführung des Narzissmus" auf (vgl. Kap. 2).

Strukturmodelle der Persönlichkeit in der Zeit nach Freud

Freud selber hat noch nicht differenziert zwischen Ich und Selbst (s.u.) und nur wenig zwischen Ueber-Ich und dem Duo Ich-Ideal und Ideal-Ich.
Die Selbstkonzepte, deren modernere Varianten wir im 6. und 8. Kapitel besprechen werden, kamen erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts richtig auf (für unser Thema wichtig v.a. Karen Horney und Donald Winnicott) und gipfelten in der Selbstpsychologie Kohuts: In dieser Arbeit hier verwende ich (wo nicht anders angegeben) den Begriff des Selbst in exakt derselben Weise wie Perner: als Uebersetzung des JE bei Lacan und somit als das echte, das wahre Selbst bei Winnicott und Horney.

Als nächstes möchte ich kurz einführen in die Ueber-Ich-Differenzierung in Ich-Ideal bzw. Ideal-Ich einerseits und in die Erweiterung Freuds erster Topik in die drei Register Imaginäres, Symbolisches und Reales im französischen Strukturalismus Lacans anderseits:

'Ich-Ideal vs. Ideal-Ich' bei Jacques Lacan und Peter Zima

Jacques Lacan kritisierte die Ich-Psychologie, als er das zweite Freud'sche topische Modell (s.o.) neu interpretierte. Er führte unter anderem in die Freudsche Theorie ein nicht-phänomenologisch definiertes Subjekt ein, das es ihm erlaubte, anstatt ein "ego" vom "self" ein "je" von einem "moi" [i.e. die beiden verschiedenen Ich-Formen des Französischen] zu unterscheiden und auf diese Weise ein "sujet representé" zu definieren, das durch einen Signifikanten dargestellt wird: a [klein a].

Weiterentwicklung der Freudschen Lehre bei Jacques Lacan

Die drei Register 'Imaginäres, Symbolisches und Reales' im französischen (Post-)Strukturalismus Lacans

Der Psychoanalytiker Jacques Lacan (1901–1981) gilt als bedeutendster Vertreter der Psychoanalyse im Frankreich des 20. Jahrhunderts. Die von ihm gegründete École Freudienne de Paris war zeitweise die einflussreichste und mitgliederstärkste psychoanalytische Organisation Frankreichs, und seine Seminare bildeten in den 50er und 60er Jahren einen bedeutenden Anziehungspunkt der Pariser Intelligenz. Lacans wichtigste theoretische Leistung ist die Neuinterpretation des Freud’schen Werkes im Licht der strukturalistischen Linguistik, was ihn zugleich zu einem wichtigen Ideengeber des Poststrukturalismus macht. Außerhalb der psychoanalytischen Praxis wird er vor allem in den Kulturwissenschaften rezipiert, wo zentrale Elemente seines Denkens die Funktion eines konzeptionellen Rahmens für Medien-, Literatur- und Kulturtheorien einnehmen, am prominentesten bei dem slowenischen Philosophen Slavoj Žižek.
Eines der wichtigsten Konzepte Lacans ist seine Theorie der drei ›Register‹ des Psychischen – des Realen, des Imaginären und des Symbolischen. Lacan denkt diese drei Bereiche als triadische Struktur, wechselseitig aufeinander bezogen und unauflöslich miteinander verwoben wie in einem Borromäischen Knoten, vgl. Abbildung rechts.
  • Der Begriff des Symbolischen verweist auf die makrosoziale Ordnung der Sprache und der sozialen Codes, des Diskurses, die Institutionen des Gesetzes und der Autorität. Als System von Signifikanten stiftet die ›symbolische Ordnung‹ sinnhafte Bedeutungen und bildet damit die Grundlage der intersubjektiven Wirklichkeit: Erst das Symbolische macht die Welt lesbar und sagbar. So ist das Symbolische einerseits einschränkend und reglementierend (Lacan spricht sogar von einer ›symbolischen Kastration‹ des Subjekts), andererseits aber auch befreiend, sofern es dem Subjekt überhaupt erst ermöglicht, sich zu artikulieren und eine Sprechposition zu beziehen. Der Geltungsbereich dieser symbolischen Ordnung erstreckt sich bis in den Bereich des Unbewussten: »Das Unbewußte ist strukturiert wie eine Sprache?« (Lacan 1964: 26).
  • Im Gegensatz zur sprachlich strukturierten Ordnung des Symbolischen ist das Imaginäre ein eher mikrosozial konnotierter Begriff, der auf die Interaktion des Subjekts mit seinen inneren Bildern verweist. Das Imaginäre ist der Ort, an dem zwei Menschen sich begegnen, sich sehen, sich ein Bild voneinander machen und einander begehren; es ist aber auch jener Ort, an dem ein einzelner Mensch sich selbst begegnet und seine ›Ich-Funktion‹ wahrnimmt, die in der Entwicklungsphase des ›Spiegelstadiums‹ (6. bis 18. Lebensmonat, vgl. Kap. 4) ausgebildet wird. Zum Imaginären gehört dabei immer auch eine Dimension der Täuschung und der Verkennung.
  • Während die alltägliche Lebenswelt vor allem durch das Symbolische und das Imaginäre strukturiert wird, verweist der Begriff des Realen auf »das, was weder symbolisch noch imaginär ist« (Widmer 1990/1997: 58), also dasjenige, was sich der Symbolisierung ebenso entzieht wie der Imagination. Oftmals verknüpft mit den ›absurden‹ Dimensionen von Grenzsituationen wie Sexualität, Tod und Gewalt, trägt es traumatische Züge, indem es auf die Abwesenheit und den Zusammenbruch von Sinn verweist. Die Instanz des Realen erscheint vor allem negativ im Aufklaffen des Risses zwischen Zeichen und Bezeichnetem, im »Gleiten des Signifikats unter dem Signifikanten« (Lacan 1957: 36); eben darum ist es begrifflich nur schwer zu greifen. Es bildet den wesenhaft entzogenen Ort einer stummen Präsenz des Traumatischen, die beständig unter der Oberfläche der Diskurse und der Bilder lauert und einzubrechen droht.
    Quelle: Strehle, S. (2012). Zur Aktualität von Jean Baudrillard. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 89-90
    Weiterführende Literatur: Weber 1978, Widmer 1990/1997, Žižek 1991.

    Es lassen sich also folgende drei Ebenen von Realität differenzieren:
    1. die Ebene des Realen (faktisch beobachtbarer, „greifbarer“ Wirklichkeit, die natürlich in den Dingen der Welt gegeben ist (Wallner 1990) bzw. vom Menschen hergestellter Realität)
    2. die Ebene des Imaginären (gedankliche bzw. vorstellungsmäßige Repräsentation abwesender – in Vergangenheit, Zukunft oder an anderem Ort liegender, also imaginierter – Realität bzw. Wirklichkeit)
    3. die Ebene des Symbolischen (symbolisch verdichtete und übergreifend kontextualisierte, d.h. mit Bedeutungen versehene Realität bzw. Wirklichkeit), wobei die imaginäre und symbolische Ebene im Vordergrund steht.

    Durch die beiden Medien des Imaginären und des Symbolischen wird das Subjekt zu einem doppelt repräsentierten Subjekt und seine Umwelt zu einer doppelt repräsentierten Umwelt.
    Aus dem Lacanschen Kategoriensystem R-S-I, das sich an die zwei Freudschen topologischen Modelle des psychischen Apparats anschließt, ergibt sich auch die Grundlage für eine psychoanalytische Medientheorie (siehe v.a. Kap. 7), welche Neues und Wesentliches zum Gegenstandsbereich der sogenannten angewandten Psychoanalyse, insbesondere für kultur- und kunsttheoretische Fragen beigetragen hat. Allerdings bilden auch die drei Register Real-Symbolisch-Imaginär ein topologisches Modell, das als Versuch einer Topologie des psychischen Seins von Lacan als sogenannter Borromäischer Knoten dargestellt wird. Dabei handelt es sich um drei Ringe, die in einem Knoten so miteinander verbunden sind, daß die Herauslösung eines Ringes die ganze Verbindung auflöst (vgl. Abbildung rechts).

    Diese gerade skizzierte Trias von Realem, Imaginärem und Symbolischem strukturiert u.a. auch Friedrich Kittlers für die Medientheorien wegweisendes Buch "Grammophon - Film - Typewriter". Die Thematik des Visuellen, des Bildes und der Medien wird im Narzissmuskapitel (Kap. 2) von zentraler Bedeutung sein.

    Quellen:
    Kittler, Friedrich (1986). Grammophon - Film - Typewriter. Berlin.
    Ruhs, August (2010). Lacan - Eine Einführung in die strukturale Psychoanalyse. Wien: Löcker, S.10-14


    Gesellschaftskritik, Kultur- und Metapsychologie

    Es gibt noch einen "zweiten Freud". Während bisher v.a. von individuellen und innerfamiliären Vorgängen die Rede war, geht es im folgenden noch mehr um die "dunkle Seite" des Menschen, so wie sie sich offenbaren kann im Zusammenleben grösserer Gruppen, z.B. in Staaten.

    Dieses viel gescholtene Spätwerk Freuds, ist für meine psychotherapeutische Arbeit ebenso wichtig wie seine individualpsychologischen Erkenntnisse. Ziel jeder Psychotherapie sollte sein, nebst einer Verringerung der Symptome, auch eine dem Klienten angemessenere, ev. sogar verbesserte, Position in der Gesellschaft und in der Kultur zu finden:
    - Evolution und Kultur: gemäss Freud (und vor ihm auch schon Darwin) ist der Mensch, biologisch gesehen, nichts mehr als ein Säugetier "mit kulturellem Mäntelchen".
    In "Das Unbehagen in der Kultur" (1930) stellt Freud die Sublimierung als einzige Lösung dar, Sexualität (s.o.) und Aggression sozialverträglich auszuleben = Kreativität = Kultur !
    Anders ausgedrückt: Kultur ist ohne Triebverzicht nicht zu haben.

    Schon viel früher schrieb er: "Unsere Kultur ist auf der Unterdrückung von Trieben aufgebaut. Somit bezahlt die Gesellschaft die Unterordnung ihrer Mitglieder unter ihre Sexualmoral mit einer Zunahme von psychischen Störungen" ! (1908).

    Auf die Frage nach der Zukunft der Religion hat Freud zwei Antworten parat: eine ideale, die sich auf Rationalität, Wissenschaft und Religionsentzug gründet, doch für ihn ist die Zeit für den "Primat des Intellekts" noch nicht gekommen.
    Eine zweite, realistischere Perspektive hingegen sieht er in der "Beibehaltung des religiösen Lehrsystems": Formal interessant ist hier m.E. zu bemerken, dass für Freud offenbar das Ziel ('Erhaltung unserer Kultur') die Mittel legitimiert: ein autoritär auftretender Autor mit einer "hidden agenda" sieht sich legitimert im Dienst einer guten Sache auch zu Beeinflussung und Manipulation zu greifen. Kritisch hierzu die Kapitel 5 (Esoterik und Populismus) und 9 (Demokratie vs. Totalitarismus).

    Seine Hoffnung aber gibt Freud nicht auf. Langfristig glaubt er, dass die vernunft sich gegen die Religion wird durchsetzen können. Dies formuliert er ebenfalls 1927 im folgenden inzwischen berühmt gewordenen Satz: Quelle: Freud, Sigmund (1927). Die Zukunft einer Illusion. In: Gesamtwerk GW Band XIV: Werke aus den Jahren 1925-1931

    Von Freud zu McLuhan: vom Prothesengott zu den extendierten Extremitäten

    Da ich in dieser Arbeit besonderes Augenmerk (!) auf menschliche Kulturleistungen und insbesondere auf mediengestützte, visuelle Bildgebungen legen werde, möchte ich noch aus einem weiteren sehr faszinierenden und bis heute validen Buch aus Freuds Gesamtwerk zitieren. Wir finden hier eine griffige Definition von Kultur einerseits und von Medialität (im Sinne von: "medial über sich hinauswachsend") andererseits.
    Freud, so gesehen als früher Medientheoretiker (vgl. Kap. 2), schrieb 1930 in 'Das Unbehagen in der Kultur': ............................

    Quellen:
    Freud, Sigmund (1930): Das Unbehagen in der Kultur. In: Gesamtwerk GW Band XIV: Werke aus den Jahren 1925-1931, S.419-505

    Psychoanalyse, Freud, Fromm, Kohut, Kernberg, Winnicott, Klein, Balint, Jacobson, Adler, Jung, Ferenczi, Fairbairn, Sandler, Mitchell, Lacan, Laplanche



    2.4. Neuro-Psychoanalyse:

    Es ist klar, dass ein mehr als hundert Jahre altes Behandlungsverfahren der heutigen Zeit angepasst werden muss. Insbesondere die Nachweise der Wirksamkeit sind heute viel besser möglich als noch vor zehn Jahren und erst recht als zu Freuds Zeiten wo v.a. wegen mangelnder technischen Möglichkeiten noch keine (natur-)wissenschaftliche Ueberprüfung seiner genialen Konzepte möglich war.
    Heute sind mit den bildgebenden Verfahren MRI, PET etc. moderne Möglichkeiten vorhanden, der Psychoanalyse ein biologisches Fundament zu verleihen. Dieses Fundament muss heutzutage biologisch sein, weil die Leitwissenschaft nicht mehr die Philosophie ist wie zu Freuds Zeiten, sondern die Hirnforschung (Neurologie) und damit die Naturwissenschaften anstelle der Geisteswissenschaften früher. Mir persönlich und auch den meisten meiner tefenpsychologisch fundiert arbeitenden KollegInnen ist aber eine Integration beider Herangehensweisen wichtig, weil es nach wie vor Bereiche gibt, die sich einer objektivierbaren Naturwissenschaft entziehen, vgl. auch meinen eigenen Aufsatz zur Metatheorie Frauchiger 1998.

    Ein Zitat eines führenden Forschers dazu: "Hilfreich und überzeugend kommt immer mehr hinzu, dass Freuds Konzepte z.B. des Unbewussten, der Verdrängung, der Übertragung, des Widerstandes etc., neuerdings von unvermuteter Seite bestätigt werden: von der Neurologie und Neuropsychologie!" (...........).

    Lange Zeit ließ sich das Theoriegebäude von Freud experimentell nicht stützen. Nun aber bestätigen neue Untersuchungen der Hirnforschung viele seiner umstrittenen Thesen über das Unbewusste. Deshalb wollen in Zukunft Neurowissenschaftler und Psychoanalytiker die letzten Rätsel der Psyche gemeinsam entschlüsseln.

    . . . .

    2.4.1. Mark SOLMS: Neuropsychoanalyse

    "Nachts offenbart sich unsere biologische, tierische Seite, die der kulturellen, sozialen unseres Geisteslebens gegenübersteht" (zitiert aus einem Spiegel-Interview mit Mark Solms)
    Führender Kopf hinter diesen Integrationsbemühungen ist Prof. Mark Solms.
    Seine Bewunderung für Freud geht über die der meisten anderen Psychoanalytiker hinaus, wie er selbst meint. Zwar stimme er keineswegs in allen Punkten mit dem Altmeister überein, betont er: "Aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, Freuds großes Ziel weiterzuführen, nämlich das Seelenleben in die Naturwissenschaften zu integrieren".
    Auch geht es ihm und seinen Kollegen keineswegs darum, zu beweisen, dass Freud Recht hatte. Vielmehr: "Freud hat versucht, eine Sprache und eine Methode für die Wissenschaft vom Innenleben zu finden. Er hat eine Art Basis-Topografie der Seele und ihrer grundlegenden Bestandteile geschaffen. Und wir bringen nun diese Arbeit zu Ende".

    Auch Kritik an der Psychoanalyse, d.h. an den Fehlentwicklungen nach Freuds Tod 1939: Leider ist vieles vom aufrührerischen Geist, der Kulturtheorie, der Religionstheorie und vielen anderen unkonventionellen und mutigen Anätzen Freuds verloren gegangen im Versuch, die Psychoanalyse in den Mainstream des vom Behaviorismus und den Kognitionswissenschaften beherrschten "offiziellen" Kanons der von Kassen bezahlten Behandlungsmethoden zur¨ckzukehren. Diesen verlorengegangenen kritischen und nie mehrheitsfähigen Geist versuche ich (mit vielen anderen zusammen) wiederaufleben zu lassen in meiner täglichen psychotherapeutischen Praxis und auch mit Texten wie diesem.

    zum Inhaltsverzeichnis

    2.4.2. Thomas Fuchs: Das Gehirn - ein Beziehungsorgan: eine phänomenologisch-ökologische Konzeption, Stuttgart: Kohlhammer: 2007.

    Als zweites Beispiel einer Kombination von Neurologie und Psychologie bzw. Philosophie, möchte ich kurz Thomas Fuchs erwähnen, welcher in unserem oben bereits kurz skizzierten 2-Achsen-Modell die relationale, also waagrechte Ebene, einer vertikalen Strukturperspektive (wie sie z.B. auch Solms oben vertritt), vorzieht, was gemäss Fuchs aus dem Gehirn als feste Struktur ein "Beziehungsorgan in einem Kontext" macht: ....................



    Korrigierende Erfahrungen: Humanismus und moderne Psychodynamik

    Erich Fromm und die 'erste relationale Wende' in der Psychoanalyse

    "Die meisten Psychoanalytiker kamen aus der gleichen, städtischen, intellektuellen Mittelschicht, der auch die meisten ihrer Patienten entstammten. Kaum mehr als eine Handvoll von Psychoanalytikern hatte radikale politische Ansichten. Der bekannteste von ihnen war Wilhelm Reich, der glaubte, dass die Hemmung der Sexualität einen anti-revolutionären Charakter erzeuge und dass andererseits sexuelle Freiheit revolutionäre Charaktere hervorbringen würde. Natürlich hatte Reich damit völlig unrecht, wie die spätere Entwicklung zeigte.
    Diese sexuelle Befreiung gehörte weitgehend zur immer stärkeren Ausdehnung der Konsumhaltung. Wenn man den Menschen beibrachte, mehr und mehr Geld auszugeben, anstatt, wie im neunzehnten Jahrhundert, zu sparen - wenn man sie also in Konsumenten verwandelte, dann musste man auch den sexuellen Konsum nicht nur zulassen, sondern geradezu fördern. Er ist schliesslich die einfachste und billigste Form des Konsums. Reich wurde dadurch irregeführt, dass zu seiner Zeit die Konservativen eine strenge sexuelle Moral vertraten, und er schloss daraus, dass sexuelle Freiheit zu einer anti-konservativen, revolutionären Einstellung führen würde. Die historische Entwicklung hat aber gezeigt, dass die sexuelle Befreiung der Entwicklung der menschlichen Konsumhaltung diente und - wenn überhaupt - den politischen Radikalismus schwächte. Leider verstand und kannte Reich wenig von Marx. Man könnte ihn einen 'sexuellen Anarchisten' nennen."
    Quelle: Fromm, Erich (1979). Sigmund Freuds Psychoanalyse - Grösse und Grenzen. Stuttgart: DVA, S.163f

    Als er sich 1970 über den Verfall der psychoanalytischen Bewegung Gedanken machte, forderte er zu ihrer Sanierung z.B.: "Sie wird die psychischen Phänomene studieren, die die Pathologie der gegenwärtigen Gesellschaft ausmachen: Entfremdung, Angst, Vereinsamung, die Furcht vor tiefen Empfindungen, den Mangel an Aktivität, den Mangel an Freude. Diese Symptome haben die zentrale Rolle übernommen, die die sexuelle Unterdrückung zu Freuds Zeiten innehatte."
    Quelle: Fromm, Erich (1978). Die Krise der Psychoanalyse. In: Fromm. 'Analytische Sozialpsychologie und Gesellschaftstheorie'. Frankfurt/M: Suhrkamp, 5. Aufl., S.227

    Manfred POHLEN, Klaus Theweleit: Pychoanalyse als Kunstform und Gesellschaftskritik

    Korrigierende kognitive und emotionale Erfahrung (Manfred Pohlen und die Kognitive Verhaltenstherapie)
    In seiner Radikalität einzigartig hat es mir der Psychoanalytiker Prof. Dr. Manfred Pohlen besonders angetan. Sein Hauptanliegen ist es, die originale und originelle Arbeitsweise (Praxis im konkreten und nicht im überlieferten Sinne!) von Sigmund Freud wieder hervorzuholen und vom institutionellen Staub zu befreien. Es ist leider so, dass die einst so lebendige "Bewegung" Psychoanalyse zu einem elfenbeinturmartigen, verkrusteten Gebilde verkommen ist und ein Grossreinemachen dringend Not tut.
    (...) V.a. der Anpassungsdruck von Seiten der Geldgeber sowohl für Forschung wie auch f&uum;r die Praxis (sprich: Krankenkassen), hat dazu geführt, dass der Psychoanalyse die Zähne gezogen wurden und diese einst so revolutionäre Kraft zu einem braven Hauskätzchen hat werden lassen.
    Es ist also Zeit für den "wahren Freud", will heissen, den kreativen, intuitiven, Unangenehmes ansprechenden, genialen Denker und Praktiker wieder hervorzuholen. Dies gelingt am besten wenn man das bisher leider einzige Transkript einer gesamten von Freud durchgeführten Therapie sich anschaut - genau das hat Manfred Pohlen getan in seinem sehr empfehlenswerten Buch "Freuds Analyse" aus dem Jahre 2006.

    . . . . . .

    Dabei wurde, nach Pohlens Ueberzeugung, der Psychoanalyse ein harmonisiertes, kleinbürgerliches Menschenbild untergeschoben, das der düstere, pessimistische Freud wohl nie und nimmer akzeptiert hätte. Für ihn stand, laut Pohlen, die letztlich unzähmbare menschliche Triebnatur im Mittelpunkt seines Denkens: ein "biologischer Fels", der allen Zivilisationsbemühungen trotzt.
    Lebenslang steht diesem Psychomodell zufolge der Homo sapiens im Konflikt zwischen seinen naturwüchsigen Triebwünschen und gesellschaftlichen Zwängen, die ihn nötigen, sich zu mäßigen oder Verzicht zu üben. Wo das misslingt, beginnt die seelische Krankheit.
    Die malträtierte Psyche produziert Leidenssymptome: Macken, fixe Ideen, Ängste, Wahnvorstellungen oder Depressionen.
    Wie unerlöste Wiedergänger, fremd und bedrohlich, spuken die unterdrückten, "verdrängten" Triebe durch das Bewusstsein der Patienten - so jedenfalls sehen es Pohlen und Bautz-Holzherr. Symptome sind in ihren Augen vor allem Zeichen einer berechtigten Revolte der Psyche.

    zum Inhaltsverzeichnis



    2.5. Antagonismen - Bipolare und dialektische Positionen und Haltungen

    Wie wir bereits gesehen haben, wird die vorliegende Arbeit methodisch-didaktisch "zusammengehalten" von zwei relativ einfachen Figuren, dem Modell des Narzisstischen Gleichgewichts und dem dialektischen Modell zur raumöffnenden Diskussion von Antagonistischen Positionen. Die nun folgenden Antagonismen oder Gegensatzpaare in Form von Autoren oder Haltungen sollen schlagwortartig illustrieren, wohin unsere geistige Reise noch gehen wird:

    Kernberg vs. Kohut
    Stern vs. Green
    Honneth vs. Fraser
    Honneth vs. Whitebook


    Naturwissenschaft vs. Geisteswissenschaft

    [--> Frauchiger 1996: Metatheorien]

    Winterhoff vs. Juul
    Kohl vs. Schmidt
    USA vs. UdSSR
    Ost vs. West
    etc. etc.




    Frank Schirrmacher (2013)
    EGO: Das Spiel des Lebens - Homo oeconomicus 2.0 trifft Big Data!
    Johannes Fischler (2013)
    New Cage: Esoterik 2.0. Wie sie die Köpfe leert und die Kassen füllt
    Colin Goldner
    Die Psycho-Szene. Guter Ueberblick über esoterische Angebote
    Claudia Barth
    ESOTERIK - Die Suche nach dem Selbst
    Otto Kernberg und viele andere (Hrsg., 2006)
    Narzissmus - DAS Handbuch zum krankhaften Egoismus

    Richard David Precht
    Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält
    Richard David Precht
    Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise
    Daniel Kahneman - 2012
    Schnelles Denken - langsames Denken
    Manfred Pohlen, Margarethe Bautz-Holzherr
    Eine andere Psychodynamik: Psychotherapie als Programm zur Selbstbemächtigung des Subjekts
    Johannes Cremerius
    Vom Handwerk des Psychoanalytikers. Das Werkzeug der psychoanalytischen Technik: Vom Handwerk des Psychoanalytikers, 2 Bde.

    Manfred Pohlen
    Freuds Analyse: Die Sitzungsprotokolle Ernst Blums von 1922
    Robert Misik - Alles Ware
    Konsumkritik vom Feinsten
    Robert Misik - Genial dagegen
    Kritisches Denken von Marx bis Michael Moore
    Urs P. Gasche, Hanspeter Guggenbühl - Schluss mit dem Wachstumswahn
    Das überzeugende Schweizer "Plädoyer für eine Umkehr"
    Otto Kernberg und viele andere (Hrsg., 2009)
    WIR - Psychotherapeut, ein unmöglicher Beruf
    Sarah Wagenknecht
    Freiheit statt Kapitalismus: Ueber vergessene Ideale, die Eurokrise und unsere Zukunft

    Martin Miller (2013)
    Das wahre Drama des begabten Kindes
    Senf/Broda/Wilms (2013)
    Techniken der Psychotherapie

    Znoj/Berger (2013, Hrsg.)
    Kunst und Wissenschaft der Psychotherapie
    Senf/Broda (2013)
    Techniken der Psychotherapie
    Allen Frances (2013)
    Normal - Prominente ICD5 Kritik
    Irving Yalom (2013)
    Die Liebe und ihr Henker
    Martha Stout
    Der Soziopath von nebenan. Die Skrupellosen: ihre Lügen, Taktiken und Tricks
    Eric Lippmann (2013)
    Identität im Zeitalter des Chamäleons: Flexibel sein und Farbe bekennen
    Luise Reddemann (2013, Hrsg.)
    Zeiten des Wandels. Die kreative Kraft der Lebensübergänge

    Irving Yalom - Die rote Couch Yaloms wohl bester, berühtester und umfangreichster Roman: ganz grosses Kino !
    Hilarion Petzold - Integrative Therapie
    Prof. Petzolds Lebenswerk, kompakt in drei Bänden !
    Nouriel Roubini - Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft
    Die wohl beste Faktensammlung über die Weltwirtschaftskrisen 2008/2011
    Tim Jackson - Wohlstand ohne Wachstum
    Das scheinbar Unmögliche möglich gemacht !
    Robert Kurz - Schwarzbuch Kapitalismus
    Der Klassiker zur Kapitalismukritik - aktueller denn je!
    Sigmund Freud
    Die drei Hauptwerke des Psychoanalyse-Entdeckers

    Weiterführendes findet sich hier: Konzepte zu "Mentalisierungsbasierte Psychotherapie in Zeiten des Narzissmus"




    Paul Krugman - Die neue Weltwirtschaftskrise
    Der sympathische Nobelpreisträger erklärt uns leicht verständlich die aktuelle Weltlage
    Christian Felber - Die Gemeinwohl-Oekonomie
    Das Wirtschaftsmodell der Zukunft
    Hans-Christoph Binswanger - Vorwärts zur Mässigung: Perspektiven einer nachhaltigen Wirtschaft
    DER linke Schweizer Oekonomie-Professor mit der Quintessenz seines langen Forscherlebens
    Seidl / Zahrndt (Hrsg.) - Postwachstumsgesellschaft
    Sehr gute Einführung in die komplexe Thematik der sog. Décroissance








    Literatur (auszugsweise):

    zum kompletten Literaturverzeichnis

  • Beck, Ulrich (1999). Schöne neue Arbeitswelt - Vision Weltbürgerschaft, Campus Verlag Frankfurt/New York.
  • Heitmeyer, Wilhelm (2002). Süchtig nach Anerkennung - Wer nicht auffällt, wird nicht wahrgenommen. Die ZEIT, 19/2002.
  • Nuber, Ursula (1996). Die Egoismus-Falle. Warum Selbstverwirklichung so oft einsam macht, Kreuz Verlag Stuttgart.
  • Postel, Gert (2001). Doktorspiele - Geständnisse eines Hochstaplers, Eichborn Verlag Frankfurt.
    Schäfer, Bodo (1998). Der Weg zur finanziellen Freiheit - In sieben Jahren die erste Million, Campus Verlag Frankfurt/New York.
  • Scheich, Günter (2001). Positives Denken macht krank. Vom Schwindel mit gefährlichen Erfolgsversprechen, Eichborn Verlag Frankfurt am Main.
  • Schwertfeger, Bärbel (2002). Die Bluff-Gesellschaft - Ein Streifzug durch die Welt der Karriere. WILEY-VCH Verlag
  • Sennett, Richard (1998). Der flexible Mensch - Die Kultur des neuen Kapitalismus, Berlin Verlag Berlin.

    Literatur zu Décroissance und Kapitalismuskritik:

  • Binswanger, Hans Christoph (2009). Vorwärts zur Mässigung. Murmann Verlag, Hamburg. ISBN 978-3-86774-072-2
  • Knolle, Helmut (2010). Und erlöse uns von dem Wachstum, Verlag Pahl-Rugenstein, Bonn.
  • Gasche, Urs P., Guggenbühl, Hanspeter (2010). Schluss mit dem Wachstumswahn – Plädoyer für eine Umkehr, Rüegger Verlag, Zürich.
  • Seidl, Irmi und Zahrnt, Angelika (2010). Postwachstumsgesellschaft – Konzepte für die Zukunft, Metropolis Verlag, Marburg. ISBN 978-3-89518-811-4.
  • Staud, Toralf (2009). Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen – Lügen, bis das Image stimmt, Kiepenheuer und Witsch, Köln. ISBN 978-3-462-04106-4.




    - EINLEITUNG: Dialektische Einführung in die beiden Koordinaten
    - NARZISSMUS: Regulation und Kompensation des Selbstwertes
    - MARKETING: "Haben-wollen" und das Ich-Ideal im "Zeitalter des Narzissmus"
    - ENTWICKLUNG: Identität, Gegenwartsmomente und die "Fesseln der Liebe"
    - ESOTERIK: Populismus, "das falsche Selbst" und der manipulierbare Mensch
    - BEZIEHUNG: Empathie und Bezogenheit - Würdigung, Kongruenz und Echtheit
    - KONSUM: Wachstumskritik des "Immer mehr" im real existierenden Kapitalismus
    - RESONANZ: Emotion, Intuition und "Embodiment, Enactment, Empowerment"
    - DEMOKRATIE: Von der Aufmerksamkeit zur Anerkennung der "Andersheit des Anderen"
    - PSYCHOTHERAPIE: Wirkfaktoren anerkennender, relationaler Psychotherapie
    - LITERATUR: Quellenangaben und Bücher


    Relationale Psychoanalyse und intersubjektive Psychotherapie
    Narzissmus, Relationale Psychoanalyse und Bezogenheitskonzepte
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    zum offiziellen Berufsregister-Eintrag von Markus Frauchiger
    Markus Frauchiger at "Academia.edu"
    Regulation in Relation
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    Niklaus Gaschen, Dr.med., Psychiater, Bern
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    Psychoanalyse nach Sigmund Freud u.v.a.m.
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